„That’s Democracy!“ – Bericht Institutsrat vom 24.01.

Wie demokratisch Abstimmungen am OSI sind und wie dabei das Verhältnis zum Kapital ist, deutet dieser leicht polemische Bericht zum letzten I-Rat an. Außerdem: Neuigkeiten zu Professuren, zum Lehrangebot und zum Gender-Master.

Zunächst wurde ein Antrag auf Mitfinanzierung einer Fahrt nach New York im Rahmen von Model United Nations abgelehnt. Der Trip, bei dem 18 Studierende der FU jeweils 950€ selbst zahlen dürfen, kostet insgesamt lässige 30.000 Euro, die beiden Antragsteller*innen wollten 1000€ vom Institutsrat haben.
Dieses Prestigeprojekt für Wenige („Clubgut“ in den Worten eines Professors) wurde weder von professoraler noch von studentischer Seite unterstützt: „That’s Democracy!“, wie der geschäftsführende Direktor die Abstimmung kommentierte. Aber: Über welche Mittel „demokratisch“ entschieden wird, steht unter dem Zwang des Kapitals und der damit verbundenen strukturellen Unterfinanzierung von Hochschulen.

Immerhin: Der studentische Topf für studentische Projekte wurde damit ebenso verschont wie das chronisch knappe Haushaltsbudget des OSI. Dass sich „1000€ schon irgendwie finden lassen“ (Prof in der Diskussion), lässt jedoch tief blicken: Während das OSI Semester für Semester darum kämpfen musste, Lehraufträge und Tutorien zu bezahlen, könnte nicht nur für solche elitären Trips zur UN plötzlich Geld vom Himmel zu fallen – nein, auch Gastprofessuren könnten scheinbar reibungslos finanziert werden, wenn bloß der Wille da ist. Wer gastiert, darüber haben Studierende jedoch kaum Einfluss. Profs suchen sich in der Regel ihnen liebsame Wissenschaftler*innen aus, was die Forschungsrichtung des Instituts nur fortschreibt.

Gleichzeitig stimmt sich das OSI auf Millionen Euro ein, die im Falle einer erfolgreichen Bewerbung in der Exzellenzstrategie zur Verfügung stünden (zu diesem Thema siehe auch den letzten FBR-Bericht). Die Vorfreude auf die Verteidigung des liberal-demokratischen Akkumulationsregimes im möglichen Exzellenzcluster „Contestations of the Liberal Script“ steigt – der Mangel in der Lehre politischer Ideengeschichte bleibt bestehen (und scheint auch wenige zu interessieren). Darin spiegelt sich wohl auch das Dogma der Alternativlosigkeit zur Idee der neoliberalen Universität wider – oder gar zum Kapitalismus. So gilt es, in der jetzt laufenden Studienreformkomission die wenigen Freiheiten, die unsere Studienordnung bietet, zu verteidigen oder gar zu erweitern.

Obwohl zur Berufung neuer Professuren noch viel Unklarheit und Intransparenz herrscht, wollen wir einen Eindruck abgeben, in welche Richtung es geht: Eine neue Sonderprofessur für Umweltpolitik, einen Ersatz für Prof. Schreurs (Nachhaltige Entwicklung) und eine neue Afrika-Professur werden wohl kommen. Generell sind neue Professuren zu begrüßen, aber auf inhaltliche Ausrichtung und Person besteht kaum Einfluss für Studierende – Berufungskommissionen, in denen es ohnehin wie in allen Gremien eine professorale Mehrheit gibt, sind noch nicht eingesetzt.

Eine Professorin kommentiert diesen Prozess so: „Es ist wie bei der GroKo – ein Geben und Nehmen!“. Ohne zu tief in diesen absurden, aber bezeichnenden Vergleich einsteigen zu wollen, sei gesagt: Am OSI ist die Verhandlung in Gremien oder Kommissionen über die Ware Wissen ein Tausch, der analog zum kapitalistischen Warenaustausch eine Gleichheit der Tauschenden suggeriert, die es in Wahrheit gar nicht gibt. Die wenigen studentischen Freiheiten oder herrschaftskritischen Lehrinhalte gegen Schlimmeres zu verteidigen, gleicht angesichts der Machtverhältnisse einer Sisyphosarbeit – und ist gleichzeitig ein wahnsinniges Privileg in dieser Gesellschaft.

So ist es ein Luxus, dass die Finanzierung des Lehrangebots für das kommende Semester ohne große Not möglich war und beschlossen wurde. Es ist eine elitäre Diskussion, die aus der Klage derselben Professorin folgte, dass die Doktorand*innen ihres eigenen Arbeitsbereichs im Vergleich zu anderen zu wenig Lehraufträge bekämen: „Gerechtigkeit unter dem Nachwuchs!“ lautete die karrieristische Forderung, während ein Kampf für generell höhere Löhne und langfristige Verträge für den akademischen Mittelbau von professoraler Seite bislang immer ausblieb.
Die Prioritäten sollten hingegen darin liegen, die Prekarisierung des Mittelbaus (Privatdozierende, Lehrbeauftragte) zu stoppen und jedes Semester ein Lehrangebot für immer mehr Studierende zu finanzieren, welches Vielfalt und Herrschaftskritik zulässt – ganz zu schweigen von den strukturellen Barrieren, die ein Studium am OSI verhindern.

Schließlich wurde die Einführung des Masters „Gender, Intersektionalität und Politik“ beschlossen, der methodenkompetent, intersektional, transregional und politikwissenschaftlich ausgerichtet ist. Zur Bewerbung muss Geschlechterwissen nur in Höhe von 10 LP nachgewiesen werden. Ob Seminare von anderen Berliner Unis, wie beim Master PoWi, anrechenbar sein sollen, ist noch unklar. Es bleibt aber zu hoffen, dass die freie Wahl disziplinfremder Module wie beim Master PoWi bis zum nächsten Fachbereichsrat ermöglicht wird.


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