Archiv für Januar 2017

Stellungnahme zur Debatte über Antisemitismusvorwürfe gegen die Lehrbeauftragte Eleonora Roldán Mendívil

Stellungnahme zur Debatte über Antisemitismusvorwürfe gegen die Lehrbeauftragte Eleonora Roldán Mendívil:

Wir verurteilen den Versuch, die vorgebrachte Kritik der Gruppe „Gegen jeden Antisemitismus FU Berlin“ [1] an den inhaltlichen Aussagen der Lehrbeauftragten Eleonora Roldán Mendívil als Teil einer „pro-zionistische[n] Hetze“ [2], wahlweise „rechter, pro-kolonialer und großkapitalistischer Allianzen“ [3] umzudeuten. Eine solche Umdeutung, die vor allem dazu dient, der Gruppe den Status einer legitimen Gesprächspartnerin zu entziehen, trägt nicht zu der geforderten „offenen Diskussion“ [4] über Inhalte bei.

Wir sprechen für uns selbst. Weder wir noch andere Gruppen sollten den Anspruch erheben, für die gesamte Studierendenschaft zu sprechen. Wir wehren uns dagegen, von anderen Gruppen vereinnahmt oder ohne Absprache verlinkt zu werden.

Die Behauptung Roldán Mendívil sei „suspendiert“ [5] worden, ist sachlich falsch. Sie wird in diesem Semester weiter im Rahmen ihres Seminars „Rassismus im Kapitalismus“ lehren. Auch die teilweise geäußerte Annahme, sie habe bereits die Zusage für eine Lehrtätigkeit im kommenden Semester gehabt, ist nicht zutreffend. Die Lehrplanung für das kommende Semester wurde bisher noch nicht vom Institutsrat beschlossen.

Generell gibt es kein Recht auf einen Lehrauftrag. Lehraufträge, wie im vorliegenden Fall, sind einmalige Verträge, beschränkt auf ein Semester und ein Seminar (also ohne festes Anstellungsverhältnis, weswegen wir diese in ihrer derzeitigen Form grundsätzlich als Teil prekärer Beschäftigung kritisieren). Das OSI entscheidet im Institutsrat allgemein über das Lehrangebot für das jeweils folgende Semester und damit auch über alle Lehraufträge. Roldán Mendívil wird vom Lehrplanungsprozess, in den Lehraufträge eingereicht werden können, ausgenommen, bis das Institut die Prüfung der vorgebrachten Vorwürfe abgeschlossen hat [6].

Wir sprechen uns gegen jede Instrumentalisierung des Falls zur Verschärfung der allgemeinen Kriterien für die Vergabe von Lehraufträgen aus. Es sollten nicht unnötigerweise zusätzliche Hürden geschaffen werden, die eine Lehrtätigkeit am OSI erschweren.

Wir begrüßen eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den kritisierten Äußerungen Roldán Mendívils und die wissenschaftliche Prüfung des Falls durch ein externes Gutachten. Wie im Institutsrat vom 18.01. bekanntgegeben, wird dieses von Wolfgang Benz, dem ehemaligen Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, angefertigt werden. Wir begrüßen den Vorschlag aus dem akademischen Mittelbau des OSI, eine zweite Person zur Prüfung hinzuzuziehen.

Die FSI*OSI spricht sich gegen jeden Versuch aus, das Existenzrecht Israels in Frage zu stellen. Aufrufe zur Intifada halten wir für nicht tolerierbar [7].

Auch Versuche, Antisemitismus mit Rassismus gleichzusetzen und als bloße Spielart von Letzterem zu begreifen, zeugen von einem unterkomplexen Theorieverständnis, das dem wissenschaftlichen Forschungsstand nicht gerecht wird.

FSI*OSI

[1]
https://www.facebook.com/notes/gegen-jeden-antisemitismus-fu-berlin/schreiben-an-das-pr%C3%A4sidium-der-fu/610365752482738,
und https://www.facebook.com/gegenjedenasfuberlin/posts/613033108882669

[2]
https://www.klassegegenklasse.org/pro-zionistische-hetze-gegen-marxistische-dozentin/

[3]
http://lowerclassmag.com/2017/01/rechter-angriff-auf-kritische-wissenschaftlerin-an-der-fu-berlin/

[4]
https://www.change.org/p/hochschulinitiative-f%C3%BCr-kritische-lehre-f%C3%BCr-eine-offene-diskussion-keine-vorverurteilung-der-lehrbeauftragten-e-rold%C3%A1n-mend%C3%ADvil

[5]
http://lowerclassmag.com/2017/01/rechter-angriff-auf-kritische-wissenschaftlerin-an-der-fu-berlin/
und http://taz.de/Kommentar-Antisemitismus-Vorwuerfe/!5371977/

[6]
http://www.polsoz.fu-berlin.de/polwiss/_elemente_startseite/4spalten_links/Material/Stellungnahme-zum-Vorwurf-Antisemitismus_09_01_17.pdf

[7]
https://www.facebook.com/friedensdemowatch/videos/1229481440439443/ (am Anfang des Videos)

Gestaltet eure Lehre mit! 25.01.17

Tresen: 23.01.17, Vortrag über Black Lives Matter

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Einige Anmerkungen zum taz-Artikel bezüglich decolonize FU

Die taz hatte am 10. 12. 2016 einen Artikel über die Petition „Decolonise the FU“ geschrieben. Den Artikel findet ihr hier. Anschließend an unseren Bericht zu der Institutsratsitzung, in der die Petition besprochen wurde, haben wir ein paar Anmerkungen zu dem Artikel.

Obwohl der Artikel wichtig und begrüßenswert ist, möchten wir doch ein paar Dinge kritisch anmerken und richtigstellen. Der Teaser ist irreleitend. Es geht nicht um Wissenschaftler*innen aus afrikanischen Ländern, sondern vielmehr um ein strukturelles Versäumnis postkoloniale Wirkmächtigen ernst zu nehmen. „Es komme auf die wissenschaftliche Perspektive und nicht auf die Hautfarbe an“, sagt nicht die FU, sondern Bernd Ladwig, der bezüglich des Artikels interviewt wurde.
Der Aspekt mit dem fehlenden Geld auf den Bettina Engels verweist, haben wir in unserem Bericht zur IR-Sitzung bereits entkräftet.
Ein weiterer Aspekt auf den wir hinweisen möchten ist, dass die ABK nur eine Art Kontroll- bzw. Beratungsgremium darstellt und weder der Vorsitz noch andere Mitglieder der ABK Lehrveranstaltungsvorschläge „prüfen“. Eine derartige „Prüf-Institution“ gibt es nicht.

eure

FSI*OSI

* Bericht aus dem Institutsrat am 07.12.16 *

Bericht zur Institutsratssitzung vom 07.12.2016

Zwei studentische Initiativen – und Profs bleiben fern
In der letzten IR-Sitzung standen mit der Petition von Decolonize FU und unserem offenen Brief zur Überbuchung am Fachbereich ausschließlich studentische Initiativen auf der Tagesordnung. Dies stieß auf reges Interesse bei Studierenden, so dass sich insgesamt etwa 35 Unterstützer*innen bei der IR-Sitzung eingefunden hatten. Umso mehr bedauern wir, dass sich von den 7 Profs, die normalerweise im Institutsrat sitzen, lediglich Bernd Ladwig (Sitzungsleitung) und Tanja Börzel eingefunden hatten (später kamen noch Ingo Peters vom Dekanat sowie Vertreter*innen des Fachbereichs hinzu). Eine Heterogenität der Meinungen im Professorium wurde so nicht abgebildet und verstärkt unseren Eindruck, dass studentische Initiativen von Seiten der Professor*innen nicht ausreichend ernst genommen werden. In der Sitzung war der IR formal auch nicht einmal beschlussfähig. Auch Bettina Engels, die als Verantwortliche der Ringvorlesung „Klimawandel in Afrika“ explizit von Decolonize FU angesprochen wurde, war nicht anwesend.

Bezüglich der Petition von Decolonize FU gab es schriftliche Stellungnahmen von Bettina Engels und Bernd Ladwig. Zudem wurde eine Stellungnahme von Christian Walther (Vorstand OSI Club) verlesen, die jedoch nicht im Voraus verschickt wurden, was auch bis heute trotz der Versicherung Ladwigs nicht nachgeholt wurde. Wir kritisieren, dass die Menschen von Decolonize FU keine direkte Antwort auf ihre Petition erhalten haben und die Infos nur durch Weiterleitung von uns bekamen. Es bleibt daher fraglich, ob das Institut sich überhaupt positioniert hätte, wenn wir den Punkt nicht auf die Tagesordnung des IR gebracht hätten. Zudem lag eine Anfrage der taz vor, was vermuten lässt, dass sich auch nur deshalb um eine Stellungnahme bemüht wurde.

Schlechte Diskussionskultur
Auch die Diskussionskultur innerhalb der Sitzung ließ zu wünschen übrig. Die anwesenden Vertreter*innen von Decolonize FU wurden mehrmals durch Zwischenrufe und Einwürfe aus den Gruppen der sonstigen Mitarbeiter*innen und Profs unterbrochen. Auch der Wunsch nach einer Redner*innenliste vonseiten der Studierenden wurde übergangen.

Zur Diskussion selbst: Das anfänglich vorgebrachte Argument der Profs, dass es keine Mittel für eine andere und vielfältigere Besetzung des Vorlesungspersonals der Ringvorlesung gegeben habe, wurde sehr schnell entkräftet, da auch Tanja Börzel eingeräumt hatte, dass Gelder aus dem Topf für Außenamtsmittel hätten beantragt werden können. Geld sei demnach auch nicht das Problem, sondern vielmehr ein strukturelles Versäumnis basierend auf einem „fehlenden Bewusstsein“. Die inhaltliche Diskussion fokussierte sich einerseits auf die inhaltliche Stellungnahme von Vertreter*innen von Decolonize FU versus Ladwigs Position „gegen die Kolonisierung der Wissenschaft durch Identitätspolitik“ sowie andererseits eine Art Konsens in Bezug auf das Bekenntnis zu Diversität in der Wissenschaft. Allerdings ohne konkrete Maßnahmen oder die bisherige Berufungspraxis am OSI zu diskutieren, was wir sehr bedauern.

Wie geht es weiter?
Zur Erarbeitung eines Antwortschreibens auf die Petition von Decolonize FU werden sich im Januar Vertreter*innen der vier Statusgruppen treffen.

Diskussion zur Überbuchung zu kurz
Die Diskussion zur Überbuchung wurde auf die letzten fünf Minuten zusammengestutzt. Dies zeichnete sich bereits dadurch ab, dass sich das GD-Team weigerte den formgerechten Antrag zur Beratung unseres offenen Briefs von vorneherein auf die Tagesordnung zu setzen. Auf den Brief selbst wurde in keiner Weise eingegangen. Deshalb bringen wir den Punkt bei der Sitzung am 18. Januar erneut auf den Tisch, zumal mit der Besprechung der Lehrplanung die Überbuchungssituation zwangsläufig thematisiert werden muss.

Vertreter*innen des Dekanats und des Fachbereichs hatten im Anschluss an die Sitzung zu einem außerplanmäßigen Treffen zwischen Studierenden, Lehrenden und Vertreter*innen des Fachbereichs zur Überbuchungssituation am OSI und zur Vorstellung der Studierendenumfrage aufgerufen.

Diskutiert am 18. Januar!
In der Sitzung hat sich gezeigt, dass die Anwesenheit der Studierenden wichtig war, um Gehör zu finden. Deshalb kommt am 18. Januar zahlreich, damit wir gemeinsam mit den Verteter*innen des IR die Überbuchungssituation am Fachbereich und vor allem unseren offenen Brief diskutieren können! Außerdem wird am 25. Januar wieder die Studierendenbefragung zu Lehrveranstaltungswünschen stattfinden – kommt auch hier zahlreich und äußert eure Wünsche!

Institutsratsitzung
Themen: Lehrplanung, Überbuchung
18.01.17, 9:00 Uhr
Ihnestr. 21/Hörsaal B

Studierendenbefragung zu Lehrverstaltungswünschen
25.01.17 18:00
Ihnestr. 21/Hörsaal A

taz-Artikel zu „Decolonise the FU“
Die taz hatte am 10. 12. 2016 einen Artikel über die Petition „Decolonise the FU“ geschrieben. Wir haben ein paar kritische Anmerkungen zu dem Artikel.

eure

FSI*OSI

Wahlen an der FU 2017 (Stupa, AS, FBR, IRat)

An der FU stehen Wahlen für alle Gremien und Parlamente an, die FSI*OSI hat bei allen Wahlen die Listennummer 1.
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