Archiv für Juni 2014

They don‘t care about us!

Prekarität, Jugendarbeitslosigkeit und Protest in Europa

Wenn sich im am 11. Juli 2014 in Turin die EU-Arbeitsminister_innen zu einem Jugendarbeitslosigkeits-Gipfel versammeln, hat das auch etwas mit unserer Situation an den Universitäten zu tun. Das europäische Hochschulsystem ist spätestens seit der Einführung der zweistufigen BA/MA Studiengänge primär auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes ausgerichtet. In der Hoffnung, sich an der Universität bei guter Führung und mit dem nötigen Schuss Fügsamkeit eine halbwegs erträgliche Existenz in der Gesellschaft zu erarbeiten und den mitgebrachten sozialen Status zumindest halbwegs halten zu können, strömen mehr und mehr junge Menschen in Europa in die überfüllten Hörsäle. Steigende Studierendenzahlen, verlängerte Ausbildungsdauer – der derzeitige Hochschulbetrieb produziert massenhaft marktkompatible Akademiker_innen. Doch die Vorstellung des Uni-Abschluss als lohnende Investition in die Zukunft ist längst durch die Realität entlarvt. Das Versprechen auf ein sicheres Auskommen und die Integration in das Beschäftigungssystem nach Abschluss wurde längst aufgekündigt.

Die Lebenslage von Student_innen, Absolvent_innen und Uniangestellten ist für viele gekennzeichnet durch befristete Arbeitsverhältnisse, lächerlich niedrige Löhne, brutalen Unterbietungswettbewerb, Verschuldung und letztlich permanenter Überforderung. Die Misere auf dem europäischen Arbeitsmarkt findet also nicht nur Ausdruck in zweistelligen Jugendarbeitslosenquoten im Süden Europas. Sie spiegelt sich auch hierzulande massiv in dem alltäglichen Zwang zur Arbeit wieder.

Die Minister_innen, Wirtschafts- und Gewerkschaftsfunktionär_innen werden sich auf dem Gipfel in Turin einerseits mit rührenden Worten und blumigen Versprechen (z.B. Jobgarantien) an die erwerbslose Jugend Europas wenden. Andererseits werden sie die Drohung aufrechterhalten und politische Programme in die Wege leiten, um sich Zugang zu entwerteter, entsicherter und entrechteter Arbeitskraft zu verschaffen.

Wir möchten dem Gipfel unsere Idee einer europäischen Kommune entgegenhalten. Natürlich gehören wir als Studierende in Europa zum privilegierteren Teil der Weltbevölkerung. Dennoch möchten wir unsere Position gemeinsam mit euch bestimmen. Sind wir die Überflüssigen, die im Hochschulsystem bei Laune gehalten werden? Sind wir eine Art Reservearmee? Was passiert in einer Gesellschaft, die einem erheblichen Teil seiner gut ausgebildeten Jugend die Teilhabe verweigert? Wie gefährlich sind wir? Wie gefährlich können wir sein? Wie können wir unsere Kritik und unsere Kämpfe an den Hochschulen organisieren?

Mit euch diskutieren Vertreter_innen von:
DinamoPress (I)
Fundación de los Comunes (ES) (angefragt)
Global Project (I)
Interventionistische Linke (D)

19.06.2014, 16Uhr
Raum KL 24/122d

Rost- und Silberlaube, Habelschwerdter Allee 45
FU Berlin

Veranstalter
la:iz (Hauptveranstalter)
FSI*OSI, Internationalismus- und Antifaschismusreferat ASTA FU

Alternative Veranstaltungsreihe zu Wissenschaft & Kritik

Thema: Überwachung und Widerstand

PERSPEKTIVEN FEMINISTISCH-MATERIALISTISCHER STAATSTHEORIE – WORKSHOP UND PODIUM AM 13.6.

Nächsten Freitag, am 13. Juni, veranstaltet die FSI*OSI einen Workshop (11-16 Uhr, Gary 55/C)zum Thema „Perspektiven und aktuelle Herausforderungen feministisch-materialistischer Staatstheorie“. Als Referent*innen konnten wir dafür Sonja Buckel von der Universität Kassel sowie Birgit Sauer und Ulrich Brand von der Universität Wien gewinnen, mit denen wir bereits im Dezember 2011 eine Veranstaltung zu „Critical State and Governance Studies“ organisiert haben. Während es uns damals um eine kritische Auseinandersetzung mit dem SFB 700 und dem in der Politikwissenschaft dominanten Governance-Paradigma ging, werden wir den Fokus diesmal stärker auf mögliche Alternativen jenseits des politikwissenschaftlichen Mainstreams legen und uns intensiv mit der feministisch-materialistischen Staatstheorie, ihren gegenwärtigen Forschungsfragen und Herausforderungen befassen.
Da die Teilnehmer*innenzahl für den Workshop begrenzt ist, bitten wir für diesen Teil um Anmeldung unter: fsi.osi [ät] riseup.net. Es sind noch Plätze frei!
Die Ergebnisse des Workshops werden am Abend in einer Podiumsdiskussion (18-20 Uhr, Ihne 21/A) präsentiert, an der neben Sonja Buckel und Birgit Sauer auch Julia Dück (Mitherausgeberin des Buches „VielfachKrise. Im finanzmarktdominierten Kapitalismus“) teilnehmen wird.

Wir freuen uns auf euer Kommen,
eure FSI*OSI