Archiv für November 2012

Podiumsdiskussion zur Zivilklausel

Liebe Alle,

nachfolgend die Einladung zu einer sehr wichtigen und empfehlenswerten Veranstaltung.

Eure FSI*OSI

Krieg fängt hier an

Was ist eine Zivilklausel?
Warum brauchen wir gerade am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften eine Zivilklausel?
Wie kann ich mich engagieren?
Der Arbeitskreis Zivilklausel lädt ein zur Podiumsdiskussion:
Prof. Dr. Sven Chojnacki, Leiter des Arbeitsbereichs Friedens- und Konfliktforschung am Otto-Suhr-Institut
Ellen Höhne, Zivilklausel-Aktivistin aus Bremen
Detlef Hartmann, Rechtsanwalt, Publizist und antimilitaristischer Aktivist aus Köln
Peer Heinelt, promovierter Politologe und freier Autor aus Frankfurt

Mittwoch, den 28.11.12 um 18h in der Ihnestr. 21/A (U-Bhf Thielplatz)

Der Arbeitskreis Zivilklausel setzt sich gegen militärische Forschung und für eine Zivilklausel am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften ein, da nur so der Zweck der Wissenschaft, für eine friedliche und freie Gesellschaft einzutreten, gewahrt werden kann.
Dies kann mit folgender Online Petition unterstützt werden:
http://tinyurl.com/zivilklausel
Blog: akzk.blogsport.de
E-Mail: ak-zk@gmx.de

Freie Seminarwahl Ade!

In den letzten Semesterferien ist eine neue Lehrdurchführungsrichtlinie für den Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaft entwickelt worden, wie mittlerweile fast schon üblich an unserer Universität in verschlossenen Hinterzimmern und unter Ausschluss von studentischer Beteiligung.
Demnach sollen hauptamtlich lehrende Personen mindestens eine Stunde Sprechzeit pro Woche anbieten. Wer schon einmal versucht hat einen Sprechstundenplatz zu ergattern, weiß dass die Zeit bereits jetzt nicht ausreichend und eine Stunde definitiv zu wenig ist. Insbesondere in den lernintensiven Phasen (Ende des Semesters) ist der Bedarf der Studierenden an Sprechzeiten um einiges höher.
Zudem sieht die LdR eine Teilnahmebeschränkung für Lehrveranstaltungen von externen Lehrenden auf 40 Teilnehmende vor.
Des weiteren sollen auch hauptamtlich Lehrende den Zugang zu ihren Seminaren mit einem Beschluss des FBR beschränken dürfen auf Studierende, die nach der Studien- und Prüfungsordnung oder einer speziellen Regelung für diese LV geforderte Qualifikation nachweisen oder wenn die inhaltliche Eigenart der LV oder deren ordnungsgemäße Durchführung es erforderlich macht.
Wer die Realität am OSI kennt weiß, dass damit so gut wie alle Lehrveranstaltungen bald Teilnahmebeschränkungen haben würden und nicht mehr nur die PS/MWAs und Veranstaltungen in den PC-Pool.
Dabei zeigt schon ein Blick auf die vorhandenen Kapazitäten die Undurchführbarkeit dieser Regelung. Viele Seminare im Grund- und Hauptstudium werden durchgehend von ca. 60-70 Studierenden besucht. Eine Teilnahmebeschränkung, wie laut der LdR gefordert, würde die Wahlmöglichkeit der Studis erheblich einschränken und somit möglicherweise auch den Studienabschluss verzögern, wenn benötigte Seminare einfach nicht belegt werden können.
Es ist klar, dass übervolle Seminare eine Zumutung für Studis und Lehrende sind, allerdings würde die geforderte Platzbeschränkung die wahren Probleme nur überdecken.
Volle Seminare deuten auf ein Mangel an Lehrveranstaltungen in beliebten, aber an unserem Institut marginalisierten Bereichen hin. Anstatt einer restriktiven Problemlösung bedürfte es viel mehr einer inhaltsbezogenen Evaluation der Veranstaltungen, sodass das Angebot besser an die wirklichen Bedürfnisse der Studis angepasst werden könnte.
Noch tiefergehend zeigt sich zudem, dass einfach zu wenig Geld in die Lehre investiert wird, wodurch logischerweise zu viele Studis zu wenig Lehrveranstaltungen besuchen wollen. Dieser Effekt wird noch verstärkt durch den Zwang von Pflichtveranstaltungen und der mangelnden Themenvielfalt am Institut.
Anstatt ein Pflaster auf die offenen Wunden zu kleben und somit die grundlegenden, strukturellen Probleme zu verbergen, sollten diese endlich angegangen werden.

Bericht vom Institutsrat vom 21.11.12

Was passiert, wenn im regelmäßigen Treffen der Professor_innen (dem so genannten „Professorium“) mal nicht alle relevanten Fragen und Entscheidungen schon im Voraus ausgeklüngelt werden – mit anderen Worten also: wenn der Institutsrat ausnahmsweise mal tatsächlich zum Ort der Diskussion und Entscheidungsfindung wird, für die er ja eigentlich auch vorgesehen ist – konnte mensch heute in einer Institutsratssitzung beobachten, in der wahrlich die Fetzen flogen. Gestritten wurde vor allem um die Planung des kommenden OSI-Master, aber auch um andere Fragen. Ein kurzer Überblick:

Die Masterfrage am OSI

Seit Längerem schon zieht sich die Auseinandersetzung darum, wie der neue, reformierte OSI-Master aussehen soll. Denn die mit der Erarbeitung beauftragte Studienreformkommission steht vor dem Problem, zwei Faktoren zusammenbringen zu müssen, die in der aktuellen Situation des OSIs gegenläufiger nicht sein könnten: einerseits die bestehenden Lehrkapazitäten berücksichtigen, andererseits Spezialisierungen ermöglichen. Die Gegenläufigkeit dieser beiden Faktoren rührt daher, dass es schon jetzt vollständig spezialisierte Master gibt, und zwar in den kapazitätsstärksten Bereichen: den IB-Master und den Umwelt-Master (s.u.). Der jetzt zu konzipierende, ‚allgemeinere‘ Master steht nun also vor der schwierigen Aufgabe, genau für jene Bereiche Spezialisierungsmöglichkeiten anzubieten, die oftmals durch jahrelange Austrocknung und Marginalisierung nur noch sehr magere Lehrkapazitäten aufweisen – und der Master läuft damit Gefahr, zu „Rudis Resterampe“ zu werden.

Im heutigen Institutsrat sollte nun eine Richtungsentscheidung getroffen werden: soll ein schon von vornherein spezialisierter Master „Herrschaft und gesellschaftlicher Wandel“ bzw. „Policy und gesellschaftlicher Wandel“ entstehen, oder ein Master, der allgemein beginnt und der dann mehrere, quasi trichterförmige Spezialisierungsmöglichkeiten entlang der vier Problemschwerpunkte „Herrschaft & Legitimität“, „Governance im Mehrebenensystem“, „Regionale Transformation“ oder „Politik & Globalisierung“ bietet. Während sich zunächst darum gestritten wurde, welcher Lehrstuhl zu welchen Problemschwerpunkten Kapazitäten beizusteuern habe, wie es eigentlich mit der Trennschärfe zwischen den Bereichen aussehe und nicht zuletzt auch, ob der Bereich „Politik & Globalisierung“ nicht doch wieder auf einen IB-Schwerpunkt hinauslaufe, eskalierte es im zweiten Teil der Diskussion so richtig: denn anscheinend ist bis heute unklar, was eigentlich die Vorgaben des Präsidiums sind und ob es einen völlig allgemeinen Master ohne Spezialisierung, einen ‚Trichtermaster‘ mit allgemeinem Beginn und nachfolgender Spezialisierung, oder einen bzw. mehrere) vollständig spezialisierte Master überhaupt geben kann. Während Ingo Peters die Meinung vertrat, dass Präsidium habe den Trichterentwurf gekippt, argumentierte Tanja Börzel, dass dieser doch lediglich OSI-intern am Mangel von Kapazitäten gescheitert sei und das Präsidium sich gegen den allgemeinen Master ohne Spezialisierung ausgesprochen habe. Nach viel Geschrei und Aufruf weiß mensch jetzt jedenfalls, dass mensch eigentlich nichts weiß. Und die Studienreformkommission zunächst mal die Vorgaben des Präsidiums eruieren muss, bevor sie eventuell wieder bei Null beginnt.

Die neuen Lehrdurchführungsrichtlinien – unkalkulierbare Implikationen fürs OSI

Da nach diesem TOP einige Streithähne schon gegangen, andere erschöpft waren, blieb es beim zweiten kontroversen Thema, den „Lehrdurchführungsrichtlinien“, vergleichsweise ruhig. Dabei handelt es sich um ein Dokument, das – wie der Name schon sagt – fachbereichsweit allgemeine Richtlinien zur Durchführung der Lehre festlegen soll. Von studentischer Seite kritisieren wir daran vor allem, dass für die Lehrveranstaltungen von Lehrbeauftragten und korporativen Mitgliedern (Privatdozent_innen, Honorarprofessor_innen und außerplanmäßige Professor_innen) nun automatisch eine Teilnahmebeschränkung von 40 Teilnehmer_innen festgelegt werden soll, die auch bei allen anderen Lehrenden durchgesetzt werden kann, „wenn die inhaltliche Eigenart der Lehrveranstaltung oder deren ordnungsgemäße Durchführung“, genauso wie eine besondere geforderte Qualifikation der Studierenden dies notwendig macht. Die Teilnahmebegrenzung für Seminare wurde am OSI auch schon früher kontrovers diskutiert – denn überfüllte Seminare sind sowohl für Studis als auch für Lehrende eine Qual. Dennoch finden wir, dass dieses Problem nicht durch die Einführung einer Begrenzung nach oben gelöst werden kann. Vielmehr handelt es sich um das strukturelle Problem, dass gerade die Bereiche und Themen, die auf großes studentisches Interesse stoßen, oft systematisch unterbesetzt und in der Ausstattung des Instituts vernachlässigt werden. In der Konsequenz bedeutet diese potentielle Neuregelung also, dass die Wahlmöglichkeiten von Studierenden erheblich eingeschränkt würden, bestimmte Seminare für viele einfach nicht studierbar wären und sich somit möglicherweise auch den Studienabschluss verzögern könnten, wenn benötigte Seminare einfach nicht belegbar sind.

Auch wenn viele Lehrende, insbesondere der Mittelbau, sich eine Beschränkung der Teilnehmer_innenzahl gewünscht hätten, sahen auch andere Mitglieder des Institutsrats die Gefahr, dass die Implikationen einer solchen Neuregelung grundsätzlich unkalkulierbar sind und zu massiven Problemen in der Studierbarkeit von Studiengängen führen könnten. Daher wird sich das OSI in der kommenden Fachbereichssitzung am 28.11. für die Streichung aller Regelungen zur Platzbeschränkung einsetzen – hoffentlich mit durchschlagendem Erfolg.

Und sonst?

Vor und zwischen diesen entscheidenden Etappen des heutigen Institutsrats gab es noch zwei weitere wichtige Punkte:

Zum einen wurde über die Förderung studentischer Projekte durch den OSI-Haushalt entschieden: Auch wenn umstritten war, ob zwei der vier beantragten Projekte überhaupt den Förderrichtlinien entsprechen, da diese nur mittelbar ans OSI bzw. akademische Praxis im Allgemeinen angebunden sind, können wir alle vier Projekte – ein Planspiel zur EU-Krise, organisiert von Julia Langbein, das studentische Journal 360°, Multitude e.V. sowie Boa Nnipa – beglückwünschen! Um auch beim nächsten Mal Gelder zu bekommen, sollten kommenden studentische Anträge aber stärker auf einen Institutsbezug achten bzw. überlegen, wie sich die Projekte stärker in die institutionelle Struktur des OSIs einbinden lassen.

Zum Anderen wurden – nach einigen Querelen (wir berichteten) – auch die Zugangsvoraussetzungen für den Masterstudiengang „Environmental Policy and Planning“ endgültig beschlossen, allerdings mit etlichen halbherzigen Enthaltungen: bewerben kann sich nun jede_r, die_er einen Abschluss in Politikwissenschaft oder Umweltplanung, oder aber in einem benachbarten Fach hat, in dem nachweisbar in der Regel 60 LP in sozialwissenschaftlichen Modulen studiert wurden. Weiterhin sind in der Regel 30 LP mit Umweltbezug nachzuweisen.

Vor allem, dass sich das OSI im nächsten Fachbereichsrat geschlossen für die Streichung der Teilnahmebegrenzungen einsetzen wird, war also durchaus ein kleiner Erfolg dieser Sitzung.

Erfolgreich VERHINDERT werden kann dieser Schlamassel aber nur, wenn wir diesen Druck auch in der Fachbereichsratssitzung am kommenden Mittwoch, den 28.11. um 9:30, aufrechterhalten können. Also kommt zahlreich in die nächste Fachbereichsratssitzung, um uns zu unterstützen!

Die FSI-OSI

Bericht vom Institutsrat vom 24.10.2012

OSIs Sach- und Machtgeschichten

Bevor ihr einen Fuß in die Gremien der FU setzt, vergesst nicht: hinter
Sachgeschichten stecken Machtgeschichten. Hinter Sachdebatten stecken
Machtdebatten. Nun, wer mächtig ist brauch nicht so sehr über Macht zu
reden. In der Regel sind die Leute, die Macht anprangern, diejenigen, die
keine besitzen. Ohne Hintergrundwissen kann man allerdings auf die Idee
kommen, im Institutsrat des OSI diskutieren alle munter sachbezogen
miteinander. In den Berichten aus dem Institutsrat ist unser Ziel dagegen,
die politische Dimension der Debatten und Entscheidungen immer aufzuzeigen
und die Ränkespiele am OSI darzustellen.

BA-Ordnung – Änderung durch die Hintertür

Die neue Bachelorordnung wurde mittlerweile vom akademischen Senat
abgestimmt und damit ist sie rechtskräftig. Verabschiedet wurde dort
allerdings nicht das, was wir nach langem hin und her mit Institutsrat,
Rechtsamt und dem Präsidium erarbeitet hatten. Es wurden nachträglich zwei
Änderungen vorgenommen: 1) ist dem Rechtsamt in letzter Minute eingefallen
dass in unserer Studienordnung eine mündliche Prüfungskomponente fehlt.
Studiendekan Peters hatte deswegen nachträglich mit dem Rechtsamt
vereinbart, im Grundstudium die Vorgabe von zwei geschriebenen Hausarbeiten
UND zwei schriftlichen Referatsausarbeitungen zu geben. Zweitens wurde –
von wem wissen wir nicht – die Regelung über affine Module dermaßen
verändert, dass nur noch maximal 10 LP (vormals 20 LP, 30LP waren am
Rechtsamt gescheitert) in nicht-politikwissenschaftlichen Fächern absolviert
werden können. Was als bereichernde Neuerung im BA-Studium angedacht worden
war, wurde letztlich nur zu einer verschriftlichten Erinnerung an die Idee
eines selbstbestimmten, fächerübergreifenden Studiums.

Das nachträgliche Abändern einer Studienordnung, die das Ergebnis eines
über einjährigen, alle Statusgruppen einschließenden Aushandlungsprozesses
war, zeigt die geringe Wertschätzung des Präsidiums für derlei
Verfahren im Allgemeinen und für das OSI im Speziellen. Dass weder das
Präsidium noch das Rechtsamt, noch Studiendekan Peters es für notwendig
hielten, den Institutsrat zeitnah über die Veränderungen überhaupt in
Kenntnis zu setzen, setzt dem Ganzen das stinkende Sahnehäubchen auf.
Peters rechtfertigte sich zwar, dass er wegen einer so verhältnismäßig
kleinen Änderung nicht die neue Studienordnung über Bord gehen lassen
wollte. Dennoch entschied er sich gegen das zeitnahe Informieren des
Institutsrates und für die Präsentation von vollendeten Tatsachen in der
öffentlichen Sitzung ein paar Wochen später.

Inhaltlich schmerzt uns die Beschneidung der affinen Module wesentlich
stärker als das nachträgliche Einfügen der Referate. Einige Dozierende
könnten durch deren Festschreiben glauben, dass sie Referate halten lassen
MÜSSEN, und das wäre schade für den ohnehin embryonalen Status, den
alternative Lernmethoden an diesem Institut innehaben. Apropos alternative
Lernmethoden: Unsere Befürchtung, es wäre künftig nur noch möglich eine
einzige Klausur im Grundstudium zu schreiben, hat sich als falsch
herausgestellt. Maximal vier sind im Grundstudium zulässig.

Es gibt Geld für studentische Projekte – und keiner weiß davon

Im letzten Sommersemester hatten wir im Institutsrat vereinbart, pro Jahr
5000€ für studentische Projekte zur Verfügung zu stellen.
Mittels einer Stichtagsregelung wurde ein „first come – first serve“
Prinzip vermieden. Richtlinien zu einer möglicherweise notwendigen
Priorisierung von Anträgen wurden erstellt. All das scheint sich noch nicht
wirklich herumgesprochen zu haben. In dieser Sitzung lernten wir, dass das
Institut aus datenschutzrechtlichen Gründen gar nicht den Zugriff auf alle
Mailadressen der OSI-Studis hat. Deswegen auf diesem Weg noch einmal an
alle: Förderungen sind immer noch möglich. Die nächste Institutsratssitzung
ist am 21.11. Die Anträge bitte eine Woche im Voraus beim Sekretariat der
geschäftsführenden Direktorin einreichen. Rainer Quitzow hat übrigens
angekündigt einen Antrag einreichen zu wollen, der den Topf für
studentische Projekte auch für WiMis öffnet.

Mitteilungen und Anfragen

Wie Thomas Eimer mitteilte sind am OSI aufgrund des Verbots unbesoldeter
Lehraufträge die Zahlen unbezahlter Lehre rückläufig. De facto sind aber
immer noch 20% der am OSI geleisteten Lehre unbezahlt. Die Lehrbeauftragten
verzichten „freiwillig“ im Nachhinein auf ihr Honorar. Damit ist das OSI
immer noch das Institut mit den meisten unbezahlten Lehraufträgen an der FU
Berlin. Rainer Quitzow ließ mitteilen, dass er in der nächsten
Institutsratssitzung den Antrag stellen wird Gelder für studentische Projekte
auch für WiMis zugänglich zu machen. GD Börzel informierte den Institutsrat
darüber, dass Junior-Professorin Carina Sprungk bis auf weiteres ausfällt.
Ihre Lehrveranstaltungen konnten für dieses Semester ersetzt werden,
langfristig muss aber ein Ersatz gesucht werden.

Umweltmaster

Globaler Standortwettbewerb der Hochschulen – das OSI beteiligt sich
kräftig und versucht sich ein Profil zu geben, was für die „besten“ Studis
wie Profs aufregend wirkt. Nur welches Profil soll sich das OSI geben.
Hatte man noch früher vom „roten“ OSI gesprochen, wird es – folgt man dem
neuesten Projekt einen Umwelt-Master-Studiengang am OSI zu etablieren -
ein wenig grüner.

Das Forschungszentrum für Umweltpolitik am OSI ist in den letzten Jahren
kontinuierlich gewachsen und vollzieht mit ihrem Vorschlag für den MA
Environmental Policy and Planning den logischen nächsten Schritt. Der
Studiengang, der in Kooperation mit der TU Berlin laufen soll, ist als
transdisziplinärer Studiengang gedacht. Die Idee ist, salopp formuliert,
dass alle, die irgendetwas mit „Umwelt“ im BA studiert haben und die die
Fähigkeit zum politikwissenschaftlichen Arbeiten mitbringen, die Möglichkeit
haben den Umweltmaster zu studieren. Dementsprechend niedrig sind von der
FFU die Zugangsvoraussetzungen angedacht. Lediglich 30 LP in
sozialwissenschaftlichen Modulen müssen erbracht worden sein. Genau diese
niedrigen Zugangsvoraussetzungen wurden von einigen Profs kritisiert. Die
Studierenden gingen ohne politikwissenschaftliche Vorausbildung in den
Master, und würden dann die Arbeit in den Seminaren erschweren, weiterhin
haben alle, die OSI-Masterstudis das Recht am OSI zu promovieren, und das
ginge für Fachfremde nun gar nicht.

Kirsten Jörgensen und Miranda Schreurs betonten, dass die FFU gar kein
Interesse an der Auswahl an sozialwissenschaftlich nicht hinreichend
ausgebildeten Studienanfänger_innen. Die besondere Verhandlungsposition in
der sich die FFU aber mit der TU befindet, lässt allerdings keine andere
als eine niedrigschwellige und damit flexible Lösung zu. Eine
Zugangsvoraussetzung von bspw: 60LP SoWi und davon 30LP PoWi würde dazu
führen, dass die TU eine 30 LP Planungswissenschaften-Hürde einbaut. Der
FFU ist allerdings kein einziger BA Studiengang bekannt, der diese
Voraussetzungen erfüllen würde. Das Ergebnis der Diskussion war, dass man
eine 60LP – SoWi Hürde in die Verhandlungen einbringt, und
„sozialwissenschaftliche Module“ enger definiert (bspw. Jura ausschließt).

Verbindet man die Diskussion um die Zugangsvoraussetzungen mit dem
Flurfunk, so wird die Machtdimension dieser Debatte schnell klar. Das
Forschungszentrum für Umweltpolitik ist über die Jahre finanziell und von
der Reputation her so wichtig für das OSI geworden, dass die
Machtverhältnisse allmählich in Bewegung geraten. Schreurs ist
währenddessen immer von Börzel/Risse unabhängig geblieben und droht die
starke Stellung der beiden und ihrer Assoziierten zu gefährden. Aus
individuellen machtpolitischen Gründen würde es deswegen Sinn für
Risse/Börzel ergeben, wenn Schreurs auf dem Weg zu ihrem eigenen Studiengang
am OSI Steine in den Weg gelegt werden(bisher ist ja der prominenteste
Profilmaster der MA International Relations – ein Projekt von u.a.
Börzel/Risse).

Und dazwischen stehen wir studentischen Institutsratsmitglieder, die
Drittmittelforschung immer kritisch gesehen haben (eine der
Haupteinnahmequellen der FFU), die sich immer für die Grundlagenforschung
stark gemacht haben (die FFU bietet hauptsächlich praxisbezogene
Lehrveranstaltungen an), und die für ein freies Studium (also eines, in dem
man eigenständig Schwerpunkte setzen kann)und damit gegen
„Profilstudiengänge“ eintreten. Gleichzeitig begrüßen wir, dass die
Umweltthematik weiter in den Fokus rückt, wir freuen uns auch auf eine
Initiative an diesem Institut, die nicht aus dem Risse/Börzel Lager stammt,
und wir schätzen die offene und ehrliche Zusammenarbeit mit Miranda
Schreurs. Der Umweltmaster wird auf den Weg gebracht. Und wir haben bereits
eine Entscheidung getroffen, indem wir ihn nicht skandalisieren.