Bericht vom Institutsrat am 06.07.2011

Hauptthemen des heutigen Institutsrates waren der Umgang der Katastrophe in der Lehrplanung, die Verabschiedung der Zielvereinbarungen, die Ergebnisse der Studienreformkommission und die damit verbundenen Konflikte und die Erstitage. Geprägt war die Sitzung auch von der massiven Präsenz der Studierenden, die uns einiges erleichtert hat.

Geld oder Leere

Das OSI mag innerlich zerstritten sein wie eh und je – wenn es darum geht, das Präsidium und den Berliner Senat wegen der katastrophalen Lage in der Lehrplanung unter Druck zu setzen, erwies es sich heute als äußerst konsensfähig. Zur Lage des Lehrangebots im nächsten Semester, zur nach dem neuen BerlHg obligatorischen Besoldung von Lehraufträgen und Tutorien und den desaströsen Folgen für die Lehre berichteten wir hier und hier. Im Institutsrat wurde heute einstimmig beschlossen, das von der Ausbildungskommission vorgelegte notwendige Mindestlehrprogramm (ähnlich wie das der letzten Semester) zu verabschieden. Dieses ist nicht finanziell abgedeckt. Parallel dazu werden alle der vom Institut zurückbehaltenen Leistungsmittel direkt an die Kostenstellen ausgeschüttet. Damit ist das OSI auf Konfrontationskurs, denn es wird große rote Zahlen schreiben, für die entweder der Fachbereich, das Präsidium oder der Senat aufkommen muss. Wenn die anderen Institute des Fachbereichs, die ebenfalls unter der neuen Besoldungsregelung zu leiden haben, dieselbe Strategie fahren wie das OSI, wird der Fachbereich mit einem großen negativen Budget ein Druckmittel gegen das Präsidium in der Hand haben. Parallel dazu hat das Präsidium ein Interesse daran, vom OSI und vom Fachbereich während den Untersuchungen zur Exzellenzinitiative nicht in die Parade gefahren zu bekommen oder im Vorfeld schlechte Presse zu bekommen. Die Chancen das Präsidium ein wenig zu melken stehen also nicht schlecht.

Riskant an dieser Strategie ist zweierlei. Sie kann einerseits schiefgehen und damit die Zusammenstreichung des Lehrangebots lediglich herauszögern. Andererseits hätte das OSI durch die sofortige Ausschüttung der Leistungsmittel zunächst seine Handlungsfähigkeit verspielt. Sie stellt aber, so die Überzeugung aller präsenten Institutsratsmitglieder, die am wenigsten schlechte Alternative des Umgangs mit der Lehrproblematik dar. Das Verabschieden eines zusammengestrichenen Lehrangebots würde ein Studium in Regelstudienzeit am OSI unmöglich machen, so Thomas Eimer, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Arbeitsstelle für politische Ökonomie. Ferner wären die Studienbedingungen bei einem ohnehin kalkulierten Aufwuchs von Studis durch die gedoppelten Abiturjahrgänge bei einer 25%igen Verminderung des Lehrangebots unerträglich und würden vermutlich zu Klagen führen. Auch die Möglichkeit, überhaupt kein Lehrangebot zu verabschieden wurde im Institutsrat abgelehnt, denn es wären noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft die Situation zu lösen. Der Ball liegt nun beim Fachbereich und beim Präsidium. Falls diese nicht nachgeben, freuen wir uns mit Frau Börzel auf einen „heißen Herbst“.

Was im Busch?

Die im Winter 2010 begonnenen Verhandlungen mit dem Dekanat über die Zielvereinbarungen für die kommenden zwei Jahre, wurden heute vom Institutsrat mit Enthaltung der studentischen Vertreter zur Unterzeichnung freigegeben. Die Überschriften „Internationalisierung“, „Qualitätssicherung der Lehre“, „Verbesserung der Institutsorganisation“ signalisieren bereits, dass das Dekanat Mängel des OSI vor allem in der Lehre feststellt. Näheres zu den Zielvereinbarungen findet ihr hier. Strittig war heute vor allem der Punkt der Besetzung einer vollen, dauerhaften WiMi-Stelle für die Lehrplanung. Das OSI hat erst 2015 die Möglichkeit eine freigewordene dauerhafte WiMi-Stelle für die Lehrplanung umzuwidmen. Bis dahin ist es darauf angewiesen, sich eine solche Stelle gegen Vollkostenerstattung vom Fachbereich „auszuleihen“. Dabei war der Unwillen einiger Professor_innen sichtbar, die Zielvereinbarungen im Detail im nichtöffentlichen Bereich zu besprechen. Dieser war so offensichtlich, und so wenig begründet, dass wir „was im Busch“ vermuten. Erst durch das beherzte Aufstehen und Hinausgehen von Studis konnten wir in den kritischen Punkten nachhaken. Das war großartig! Kernpunkt der Diskussion war vor allem die Lastenverteilung zur Aufbringung der notwendigen Mittel. Einige Kostenstellen schneiden dabei besser ab als andere. Wir setzten uns an diesem Punkt für ein transparentes, für alle Betroffenen ersichtliches Verfahren ein. Verteilungsfragen stehen laut Zielvereinbarungen bald auch bei der Vorlegung einer mittelfristigen Planung für die Besetzung von Stellen der wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen an. Anhand der Vergabe von WiMi-Stellen werden wichtige strukturelle Entscheidungen bezüglich des Wachstums oder der Schrumpfung von Bereichen getroffen. Wir werden uns dafür einsetzen, das bisherige Ungleichgewicht an der Stellenverteilung besser und gerechter auszubalancieren.

Wo ist die Basis?

Dass sich das OSI immer mehr auf Kosten der Grundlagen und teilweise der Lehre „profiliert“, schlägt sich auch in der neukonstituierten „Studienreformkommission“ (SRK) nieder. In der SRK werden sowohl der Bachelor Politikwissenschaften als auch ein neues Masterkonzept erstellt. Einer der Hauptstreitpunkte ist alt: Sowohl das Pflichtmodul politische Ideengeschichte soll im Bachelor gekürzt werden, als auch die Möglichkeit im Master verwehrt bleiben, sich auf politische Theorie zu spezialisieren. Die rechtlichen Grundlagen sollen nach dem derzeitigen Konzept ebenso gestrichen werden. Damit werden zwei elementare Bereiche der Grundlagenforschung und -Lehre der Politik geschwächt, bzw. gestrichen. Kritische Reflektion bestehender Kategorien weicht damit einmal mehr funktionaler Ausdifferenzierung. Zu einem selbstbestimmten Studium trägt das nicht bei.
Inhaltliche und studiumsbezogene Argumente blieben angesichts eines darbenden Haushaltes und massiver (selbst hergestellter!) Probleme in der Bereitstellung des Lehrangebots in der Ideengeschichte wirkungslos. Der Verweis auf die große Nachfrage von Studis und das Anführen eines früheren Institutsratsbeschlusses zur Sicherung der Ideengeschichte wurden abgeschmettert mit Sachzwangargumenten und Verweisen auf die ablehnende Position des Präsidiums. Die Marginalisierung der Ideengeschichte schreitet weiter voran.
Besonders heiß her geht es aber in der Reform des Masters, der nicht mehr grundlagenorientiert, sondern spezialisiert und eigenständig werden soll. Das Grundmodell besteht darin, dass mensch nach einsemestriger Absolvierung der Pflichtmodule politische Theorie, Systeme und Internationale Beziehungen sich in verschiedene Teilbereiche spezialisieren kann. Im von der Kommission vorgelegten Vorschlag existieren die Spezialisierungsbereiche „Demokratie und Public Policy“, „Regionale Transformationsprozesse im Vergleich“, „Energie und Umwelt“. Da es bereits einen eigenständigen Masterstudiengang „Internationale Beziehungen“ am OSI gibt, taucht dieser nicht im allgemeinen Politikwissenschaftsmaster auf, soll auf Wunsch Risses aber vergrößert werden. Um die Anzahl der Spezialisierungsbereiche, sowie deren Namen gibt es einige Konflikte. Lütz sah in den bisherigen Bereichen die politische Ökonomie und die Friedens- und Konfliktforschung unterrepräsentiert während Segbers die internationalen Beziehungen stärker auch in den politikwissenschaftlichen Master verankern möchte, denn er ist bei dem eigenständigen IB-Master nicht integriert. Schreurs möchte dazu einen eigenständigen Umweltstudiengang. Bei allem Geplänkel drohen wichtige Komponenten wie Politische Theorie und Ideengeschichte sowie Gender hintanzufallen, sodass es vielleicht bald nicht mehr möglich sein wird, sich auf diese Bereiche zu spezialisieren. Der positivste Gesichtspunkt der Studienreform ist somit bisher ihre Nichtverabschiedung. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen unsere inhaltlichen Punkte zu verankern.

Erstitage

Die Fachschaftsinitiative des Otto-Suhr-Instituts hat diese Sitzung einen Antrag eingereicht, die Erstitage zu organisieren. Wir hatten zuvor von der Studierendenschaft erhebliche Mängel kommuniziert bekommen. Hinzu kommt in diesem Semester die besondere Situation, dass es einen Stellenwechsel genau in der Zeit der Erstsemestertage geben wird. Wir hatten uns deswegen dazu entschlossen, einen Antrag an den Institutsrat über die Vergabe eines Werkvertrags über 1000 € für die komplette Organisation der Erstemestertage an uns zu stellen. Da wir ohnehin in der Vergangenheit bei der Durchführung der Erstitage unbezahlt zur Stelle waren, sowie die personellen und inhaltlichen Kapazitäten haben, bringen wir exzellente Voraussetzungen mit für den Job. Mit uns werden die Erstitage kompetenzberstend. Nicht zuletzt sind wir die mit dem Verständnis und den Keksen. Unverständlicherweise entschloss sich der Institutsrat jedoch, den Werkvertrag auf 500€ zu kürzen und die Lehrplanung mit der Ausschreibung zu beauftragen. Auch wenn wir überzeugt sind, ein offizielles Votum des Institutsrates für die Vergabe an uns, hätte für die nötige Transparenz gesorgt, stellen wir uns gerne dem studentischen Wettbewerb.

Sonstiges

Weiterhin ist heute vom Institutsrat unser Antrag zur Gasteinladung von Ulrich Brand, Birgit Sauer und Sonja Buckel zu einer Veranstaltung am 9.12.2011 mit dem Titel „Critical State and Governance Studies: Zum Erklärungspotential des Governance-Konzepts“ angenommen worden. Die Veranstaltung wird aus einem vierstündigen Workshop und einem zweistündigen Vortrag bestehen, in dem die drei Wissenschaftler_innen ihr neues Forschungsprojekt vorstellen. Die Veranstaltung wird in der Reihe „Wissenschaft und Kritik“ der Fachschaftskoordination stattfinden und wir freuen uns auf euer zahlreiches Erscheinen.
Das OSI wird als Reaktion auf Götz Alys Tiraden auf Tagesspiegel und Co. sich „nicht ein Konzept zum Umgang mit Plagiaten überlegen“, doch aber „das bestehende Konzept zu Papier bringen“. Auf die „Wir lassen uns nicht beeinflussen“- Töne, folgten später doch also beachtliche Initiativen.


11 Antworten auf “Bericht vom Institutsrat am 06.07.2011”


  1. 1 John 07. Juli 2011 um 18:33 Uhr

    Mal ganz ehrlich, was die FSI zum Thema ErstiTage hier abgezogen hat, ist unter aller Sau. Und wenn ich dann noch lese, „Auch wenn wir überzeugt sind, ein offizielles Votum des Institutsrates für die Vergabe an uns, hätte für die nötige Transparenz gesorgt“, dann muss ich brechen.
    Was da abgelaufen ist, ist nichts anderes als der billige Versuch dem eigenen Klüngel Geld zuzuschustern. Netterweise habt ihr das Geld auch schon vorher verteilt, in dem ihr in Vorleistung gegangen seit und auch gleich zwei Studierende als GeldempfängerInnen benannt habt. Toll! Genau diese inneren Verstrickungen und Absprachen werft ihr doch dem politischen Gegner zu. Und das schlimme ist, dass es bei diesen internen Absprache auch nach dem Beschluss des Rates geblieben ist, ohne dass dies in diesem Artikel, ach wie transparent, zur Sprache kommt. Indem die Entscheidung über die Vergabe der Lehrplanung übergeben worden ist, wird euch der Bruder Lettau schon den Auftrag zuschustern. Lächerlich.
    Wenn an diesem OSI eine einzige WiMiStelle nicht ordentlich ausgeschrieben wird, dann bekommt der FSI das große Heulen, aber bei dieser Stelle ist das natürlich völlig egal, so dass man die auch gleich großzügig mit 100 Stunden vorgesehen hatte. Hätte Segbers nicht wie die anderen Profs gepennt, dann wäre das auch locker durchgewunken worden. Man muss dazu bedenken, dass es für diese Aufgabe sowieso einen bezahlte Stelle gibt, die man, ach wie fürsorglich, entlasten möchte in der Einarbeitungszeit. Das Geld wäre an anderer Stelle dringender zu gebrauchen. Ob das Studierendeninteressen sind?
    Liebe FSI, schämt euch ein bisschen!

  2. 2 Ini 08. Juli 2011 um 13:54 Uhr

    Hallo „John“,
    um die Problemstellung vielleicht nochmal ein wenig zu verdeutlichen: im Vorfeld der letzten Ersti-Tage haben wir von massiven Beschwerden gehört, weil sich die Lehrplanung mit der Organisation überfordert fühlte. Bei gerade mal einer studentischen Hilfskraft und Hr. Lettau, der auch noch nebenher noch seine Lehrverpflichtungen vor- und nachbereiten (Klausuren korrigieren usw.) muss, wenig überraschend. Entsprechendes Feedback kam auch nach den Ersti-Tagen von Studienanfänger_innen.
    Daraus entstand die Idee, dass wir zusätzlich zu den ganzen Sachen, die wir ohnehin schon an den Orientierungstagen machen, auch gleich die komplette Organisation übernehmen könnten. Nun ist dir vielleicht nicht bewusst, dass ehrenamtliches Engagement, wie wir es betrieben, Zeit kostet, die ansonsten für Lohnarbeit oder einen BAFöG-gerechten Lernaufwand zur Verfügung stünde. Oder anders ausgedrückt: wir wollen nicht nur Menschen, die es sich „leisten“ können, Beteiligungsmöglichkeiten bei unserer Ini-Arbeit bieten. Daher der Antrag auf einen Werkvertrag beim Institutsrat – was übrigens nichts (!) mit einer „Stelle“ zu tun hat.

    Und um mal im Verhältnis zu bleiben: eine WiMi-Stelle, bei deren intransparenter Ausschreibung wir uns aufregen, kostet das OSI 30 – 35 000 Euro im Jahr; für die Ersti-Tage wird jetzt ein Werkvertrag über 500 Euro ausgeschrieben. Das ist doch nochmal ein etwas anderer Maßstab, nicht wahr?

    Im übrigen ist es durchaus im Studierenden- bzw. im Studienanfänger_inneninteresse, alltagsnahe und kompetent organisierte Ersti-Tage zu haben.

  3. 3 John 08. Juli 2011 um 17:01 Uhr

    Liebe Ini

    (da bin ich ja mal gespannt wer für die ganze Ini spricht)
    Über den Punkt ob dieser Werkvertrag notwendig ist oder eben nicht, ist sicherlich diskutabel. Und wenn die Fachschaft zu dem Ergebnis kommt, dass eine bezahlte Stelle notwendig ist, dann mag das so sein und der Institutsrat gibt euch da ja auch Recht. Meine Meinung ist es nicht, aber auch diese ist ja nur partikular.

    Auf den Punkt mit der transparenten Ausschreibung geht die Antwort allerdings nur am Rande ein, denn nur weil ihr das schon macht und euch engagiert seit ihr noch lange nicht die qualifiziertesten. Hier sehe ich auch keine Differenz zwischen 35000 und 500 Euro, schließlich ist die WiMi Stelle ja auch mit wesentlich mehr Arbeitsstunden angesetzt, nicht wahr?

    Auch die Behauptung an sich, jede_r könne sich in die Ini einbringen, gilt nicht wirklich, denn wer nicht in eurem politischen Mainstream mitschwimmt, wird sich kaum heimisch fühlen und die Arbeit, auch nicht lange, kontrovers begleiten. Die Ini ist doch kein Gremium frei von weltlichen und politischen Einstellungen sondern in diesem Fall ein besonders politisierter Raum. Weiter ist mir auch schleierhaft, warum sich die Ini selbst so institutionalisieren lässt. Einzig die transparente Ausschreibung ermöglicht die Zugänglichkeit für Studierende jedweder politischen Richtung.

    Dieser Antrag/Beschluss war weder basisdemokratisch, noch kritisch und ganz sicher nicht offen, sondern ganz und gar politisch. Futter für das eigene Klientel, die engagierten Gutmenschen.

  4. 4 John 12. Juli 2011 um 18:00 Uhr

    und keine Antwort heißt jetzt, dass man mir Recht gibt ?!

  5. 5 jack 13. Juli 2011 um 15:18 Uhr

    dass die lust gering ist, auf leute zu antworten, die nazi-sprech wie „gutmenschen“ benutzen, kann ich verstehen…

    btw: so wie ich das immer verstanden habe, steht es jedem/jeder frei, eine eigene FSI zu gründen – auf das label gibt es kein copyright. und ich bin mir ziemlich sicher, dass all die anderen hochschulgruppen, die sich in der vergangenheit an der politischen arbeit am institut versucht haben (mit wechselndem erfolg), nicht von der FSI daran gehindert wurden/werden, erfolgreich im sinne der studierenden zu agieren.
    genauso wie es jetzt jedem/jeder frei steht, sich für 500,- die sommerferien zu versauen und ersti-tage zu konzipieren. nur zu…

  6. 6 Johannes 13. Juli 2011 um 21:26 Uhr

    Hey John, wie werden WERKverträge vergeben? in der Regel direkt, an bestimmte personen. hat dich das jemals aufgeregt? ich zumindest habe noch keinen John kennengelernt, der in irgendeinem gremium oder bei einem der vielen Proteste seine Meinung kundgetan hat…
    und von wegen Bruder Lettau und zuschustern – wer ist den deiner Ansicht nach in der Lage Erstitage zu organisieren – dir sind die ja scheinbar eh nicht wichtig?
    und ich muss jack zustimmen, mit deiner Sprache disqualifizierst du dich selbst…kennst du armin p.? ihr werdet bestimmt gute freunde..

  7. 7 John 15. Juli 2011 um 12:27 Uhr

    Es ist ja wohl ein lächerlicher Versuch mich über meine Wortwahl diskreditieren zu wollen, schließlich ist die Herkunft und die Zuschreibung des Begriffs „Gutmensch“ von der heutigen Verwendung dringend zu differenzieren. Aber geschenkt, meine Herren. Genauso wie die impliziten Vorwürfe wegen meiner Anonymität und meiner vermeintlichen Nichtteilnahme an Demonstrationen. Der persönliche Angriff zeigt doch nur, dass das Ende der Argumentationskette erreicht ist.

    Die Tatsache, dass Werkverträge tatsächlich immer wieder direkt persönlich vergeben werden, rechtfertigt allerdings immer noch nicht die Tatsache, dass dies weder meinen Vorstellungen von einem fairen Verfahren, noch den normalerweise artikulierten Vorstellungen der Fachschaft entsprechen. Die Ini handelt hier entgegen der eigenen Maxime, darauf mache ich aufmerksam, weil mich das stört.

    Im übrigen distanziere ich mich dringend von Armin P.

  8. 8 Johannes 16. Juli 2011 um 1:38 Uhr

    Richtig, die Verwendung des Begriffes Gutmensch, der heute fest im Jargon von NPD, Kameradschaften und Junger Freiheit angekommen ist, hat nichts mehr mit der ursprünglichen Kritik an einer reinen politisch korrekten Fassade zu tun.

    Vielleicht distanzierst du dich mal von der Verwendung solcher Kampfbegriffe von rechtsaußen und reflektierst deine Sprache. Damit begibst du dich nun mal ganz weit nach rechts außen, und wenn du dies wirklich ablehnst, dann solltest du dich nicht relexartig rechtfertigen, sondern einfach mal ein wenig recherchieren…

    ich fühle mich durch diese Bezeichnung persönlich beleidigt, und bin gerne bereit mich inhaltlich mit dir auseinanderzusetzen, wenn du über diesen Punkt hinaus kommst.

    und ich distanziere mich auch dringend von AP ;-)

  9. 9 John 17. Juli 2011 um 23:45 Uhr

    Lieber Johannes, liebe Alle,

    der „Gutmensch“ war und ist natürlich beleidigend gemeint. Jedoch verstehe ich mich in keinster Weise als nationalsozialistisch, deutschnational, rechts, rassistisch, antisemitisch, landsmannschaftlich etc.. Nichts liegt mir ferner als dieses Gedankengut. Wenn man den Begriff jedoch recherchiert, dann wird man auch darauf stoßen, dass er auch gängig in deutschen Qualitätszeitungen, wie etwa auf der Kommentarseite der FAZ ist und dort auch keinesfalls klassisch rechts verwendet wird, sondern lediglich Träumer verspottet. So war das gedacht.
    Da ich allerdings auch an einer inhaltlichen Debatte interessiert bin, ganz ehrlich, nehme ich das zurück und bitte die Beleidigten das hier zu entschuldigen.

    Zum Thema transparente Ausschreibung habe ich hier allerdings noch kein Argumente gehört, die ich für wirklich überzeugend halte. Das „viele“ Werkverträge nicht ausgeschrieben werden ist doch eher schwach. Dass die FSI am besten geeignet ist mag ja stimmen, könnte sich dann aber auch auf transparente Weise beweisen.

    Es wäre mir schon sehr recht, wenn hier erkannt wird, dass das Vorgehen nicht beispielhaft war und die FSI ins Zukunft anders handeln wird.

    Bestens John

  10. 10 Johannes 18. Juli 2011 um 13:50 Uhr

    Lieber John,

    schön, dass mensch sich auch in blogkommentaren auf einem gewissen niveau unterhalten kann, vor allem im Hinblick auf unser aller Lieblingsblog…(inwieweit die Kommentator_innen auf der FAZ Seite nicht klassisch rechts sind könnte mensch aber auch diskutieren ;-)

    Ich weiß nicht ob dich das überzeugt, aber ein Werkvertrag ist meines Erachtens nach in diversen Punkten anders zu bewerten als eine feste Stelle – die wird ausgeschrieben, mit dem Personalrat abgeklärt von der Frauenbeauftragten bewertet usw. Das dieses Verfahren bei festen Stellen nicht umgangen wird, ist meiner Ansicht nach auch immer FSI*OSI Politik gewesen und das wird auch so bleiben.
    Wenn aber das Institut eine Wand streichen lässt, sich eine Webpräsenz einrichtet oder eine Tür repariert, dann wird jemensch angerufen, der oder die das macht und dann kriegen die Menschen Geld dafür. Das ist meines Erachtens nach unproblematisch und mit unserem Antrag am ehesten zu vergleichen – es existiert ein Engpass (was Lehrplanung und Irat bestätigt haben), den die FSI*OSI erkannt hat, und der eine Menge Arbeit bedeutet, die nur von einer Gruppe bewältigt werden kann, die am Institut nicht nur aktiv ist, sondern auch die Kapazitäten hat, die Erstitage durchzuführen. Und falls jemensch eine Gruppe am OSI kennt, die was HochschulPolitik auch nur annähernd so fit ist wie die INI, dann soll er/sie mich mal aufklären…
    Und eine Ausschreibung ohne Konkurrenz ist nur eine Farce, Transparenz hin oder her, deswegen ergibt sie meines Erachtens bei diesem Thema keinen Sinn, wobei das bei vielen anderen Entscheidungen der Fall sein kann.
    Und ich möchte noch einmal erwähnen, dass wir den Antrag durchaus auch im nicht öffentlichen Teil des Irates hätten einbringen können, da Werkverträge personengebundene Entscheidungen beinhalten. Haben wir aber nicht, alles passierte im öffentlichen Teil einer Sitzung, zu der wir breit mobilisiert haben, wer also Verschleierungstaktiken wittert muss leider enttäuscht werden.

    Und schlussendlich haben die Vertreter_innen der FSI*OSI im Irat auch für die Ausschreibung gestimmt, wobei die Entscheidung jetzt bei der Lehrplanung liegt – wobei ich jetzt schon ahne, dass falls wir den Werkauftrag erhalten die Verschwörungstheoretiker_innen aus diversen Lagern wieder zur Hochform auflaufen – dafür gibts dann wenigstens gelungene Erstitage!

  11. 11 Egon 22. Juli 2011 um 19:19 Uhr

    Nur am Rande, weil mir das doch zu sehr untergeht: Dass überhaupt ein Zuwachs an Lehrbeauftragten in der Lehre zu verzeichnen ist, sollte ja wohl schon Kritikpunkt sein. Das geht los bei der Bezahlung, über die fehlende Mitbestimmung und die prekäre Situation, die sich für einen jungen Wissenschaftler dadurch mitunter fest etablieren kann (im Grunde war ja schon das Instrument der Juniorprof. dazu angetan, die wissenschaftliche Arbeitskraft zu verbilligen).

    Getrennt davon sind Werkverträge natürlich ab einer bestimmten Summe auszuschreiben (klar gibtt es da fachliche und organisatorische Einschränkungen, das muss aber der Prozess der Vergabe zeigen und nicht vorab feststehen), wenn man sich nicht mit den Sozialbehörden rumplagen will. Wenn so was umgangen wird, dann geht das auf die Kappe der Verantwortlichen, die im Zweifel auch die Folgen akzeptieren müssten. Alles in allem sind Werkverträge aber auch arbeitspolitisch ein sehr fragwürdiges Instrument – mal abgesehen von der geringen Motivation, die jemand mitbringen soll, der für eine Summe X befristet Handlangertätigkeiten vollführen darf –, denn sie untergraben eben nachhaltig das Fundament eines ausfinanzierten wiss. Mittelbaus.

    Das ist aber dann nicht mal mehr ein Thema oder „Problem“ der INI, sondern hochschulpolitisch relevant und berührt auch Studierende und Wissenschaftler selbst, die ja nicht nur passive Konsumenten von „Lehrinhalten“ sind, sondern etwas von ihrem Studium erwarten sollten. Gremienarbeit kommt dabei an ihre Grenzen und kann keinen grundlegenden Konflikt auflösen. Das wäre ja eine nette Seitenbemerkung bei Erstitagen, statt den nächsten Hinweis auf die Campusparty zu geben.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.