Gremienbericht vom Mittwoch, 12.1. – Instituts- und Fachbereichsrat

Mittwochvormittag ist ja bekanntlich immer Gremienzeit am OSI beziehungsweise am Fachbereich PolSoz. Die im Laufe der letzten Zeit leider zur Regel gewordene Unsitte, Institutsrat (IR) und Fachbereichsrat (FBR) direkt hintereinander abzuhalten, bescherte den Gremienvertreter_innen und allen Interessierten auch gestern wieder eine anstrengende und frühmorgens beginnende Doppelsitzung.

Los ging es, wie so häufig, mit dem Institutsrat des OSI. Nach einer ca. halbstündigen (!) Diskussion über die Tagesordnung konnte schließlich in die Sitzung gestartet werden. Auf Anfrage des FSI-Vertreters zeigten sich die IR-Mitglieder sehr aufgeschlossen, über Maßnahmen zur Bewältigung des erwarteten Ansturms von Studierenden im nächsten Wintersemester zu diskutieren. Wie sicherlich bekannt ist, kommen dann die doppelten Abiturjahrgänge aus Bayern und Hessen sowie einige zehntausend, nicht mehr zum Wehr- oder Zivildienst eingezogene Männer auf die Universitäten zu. Das Problem soll zeitnah (nach Abschluss der Lehrplanung für das Sommersemester 2011) in der Ausbildungskommission (ABK) behandelt werden. Auf Grundlage konkreterer Daten und den Vorschlägen der ABK will das OSI dann bei den Zielvereinbarungsverhandlungen mit dem Fachbereich und dem Präsidium Maßnahmen ergreifen – auch die Einforderung zusätzlicher Mittel war im Gespräch. Wir halten eine Intervention hier für sinnvoll, um den NC für Politikwissenschaft nicht noch weiter in die Höhe zu treiben.

Ebenfalls sehr einmütig kam der IR zu einem Beschluss, den Organisator_innen des Institutstags im Dezember die entstandenen Kosten zurück zu erstatten. Dafür wird Geld aus dem Zentralhaushalt des OSI verwendet.

Der Masterstudiengang Umweltmanagement – Kontroverse um eine Umgestaltung

Anschließend stellte Fr. Jörgensen das Konzept für eine Überarbeitung des MA-Studiengangs „Technisches und betriebliches Umweltmanagement“ vor. Dieser ist derzeit ziemlich von technischen Inhalten geprägt und entsprechend eher für Studierende, die zuvor eine Naturwissenschaft studiert haben, interessant. Das ist wohl der größte Punkt, der sich nun ändern soll: der – in Zukunft englischsprachige – Studiengang soll stärker sozialwissenschaftlich ausgerichtet werden, dazu einen größeren Forschungsschwerpunkt bekommen, aus dem sich eventuell auch eine Graduiertenschule entwickeln könnte. Die geänderte Ausrichtung des Masters soll eine bessere Anbindung an das übrige Angebot des Fachbereichs gewährleisten, zieht aber natürlich auch eine Änderung der Modul- und Prüfungsstruktur nach sich. Die neugestaltete Studienordnung wird, sofern alles glatt geht, bereits im Wintersemester 2011/12 in Kraft treten. Dann könnten bereits die ersten 20-30 Studierenden sich für diesen Master einschreiben; Voraussetzung ist ein Politikwissenschaft- oder „vergleichbares“ Studium, wobei für letzteres die Hürden nicht allzu hoch sein sollen. Studiengebühren werden für den Studiengang nicht erhoben.
Diese Reform hätte den Vorteil, dass es bessere Austauschmöglichkeiten mit den anderen Masterprogrammen (Politikwissenschaft und IB) des OSI geben würde. Dies warf natürlich schnell die Frage auf, ob die Veranstaltungen dieses „Umwelt-Masters“ teilnahmebeschränkt sein würden, vergleichbar den Seminaren des MA Gender und Diversity am OSI. Hier drückte sich Fr. Jörgensen vor einer eindeutigen Antwort: zwar meinte sie zunächst, dass eine Teilnahmebegrenzung „eher nicht“ geplant sei, machte jedoch keine konkreteren Angaben dazu und wiederholte auch diese Tendenzaussage nicht. Die Vertreter_innen des Master IB – von professoraler wie von Mittelbau-Seite – zeigten wenig Verständnis für diese Haltung und verwiesen auf „ihre“ Veranstaltungen, bei denen laut eigener Aussage schon mal 80-100 Studierende aller möglichen Studiengänge drin säßen. Auch die Auswirkungen auf das Lehrdeputat, etwa. von Prof. Miranda Schreurs, sind noch nicht eindeutig geklärt. Um all diese Fragen soll sich nun die ABK kümmern, der IR beschäftigt sich voraussichtlich in der Sitzung am 26.1. erneut mit dem Thema.

Euro-/Transatlantic Master – viel Zoff um eine Formfrage

Um eine nur auf den ersten Blick ähnliche Frage ging es beim nächsten Tagesordnungspunkt, einer Strukturänderung beim Masterprogramm „Euromaster bzw. Transatlantic Master“. Dieses – derzeit – von Ingo Peters betreute Projekt existiert bereits seit 1996 in einer Kooperation aus verschiedenen Unis in Berlin, Großbritannien, den USA, Spanien und weiteren Ländern. Dieser Master kostet jeden/_r seiner ca. 70 Teilnehmer_innen stattliche 15 000 Euro Studiengebühren für zwei Jahre Studium. Die Verwaltung des Berliner Studienprogramms geschieht derzeit in einer Gemeinsamen Kommission von HU und FU/OSI – diese soll nach dem Willen der Kommission nun aufgelöst und durch einen Kooperationsvertrag ersetzt werden. Dies müssen allerdings die beteiligten akademischen Gremien (FBR PolSoz und Fakultätsrat Sozialwissenschaften an der HU) vornehmen. Ingo Peters wollte hierzu nun eine Empfehlung des IR OSI, dass dieser einen solchen Schritt unterstützt. Inhaltliche Änderungen am Studiengang soll es dagegen keine geben. Dennoch entspann sich eine längere Diskussion, die mit dem – diesmal durch die direkt anschließende FBR-Sitzung legitimierten – berüchtigten „Zeitdruck“-Argument von Seiten der Professor_innen schließlich abgewürgt wurde. Auch ein Versuch, die Debatte analog zum Umweltmaster in die ABK zu verlegen, scheiterte – nicht ganz zu Unrecht, immerhin geht es hier kaum um Fragen der Studienordnungen oder des Lehrangebots. Die abschließende Abstimmung ging schließlich bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung zu Gunsten einer Auflösung der Gemeinsamen Kommission aus.

Letzter Tagesordnungspunkt war die aus selbst für die Sitzungsleitung nicht nachvollziehbaren Gründen in den nicht-öffentlichen Teil „gerutschte“ Besetzung einer Berufungskommission für Götz Aly, der eine Apl.-Professur (was das ist: Wikipedia weiß die Antwort) am OSI erhalten soll. Dieses Vorhaben war bereits vor einiger Zeit zunächst gescheitert, nun erfolgt also ein neuer Anlauf. Wir geben uns Mühe, über die weiteren Entwicklungen zu berichten.

Hoher Besuch im Fachbereichsrat

Direkt im Anschluss und ungewöhnlich pünktlich (nahezu s.t.!) begann die Sitzung des Fachbereichsrats. Die Sitzung war so gut besucht wie zuletzt bei den höchst kontroversen Entscheidungen etwa zur Ideengeschichte, der Grund war dieses Mal aber ein anderer: der Präsident der Freien Universität Berlin, Univ.-Prof. Dr. Peter-André Alt höchstpersönlich, war zu Besuch. Er stellte die Eckpunkte des neuen „Zukunftskonzeptes“ vor, mit dem die FU 2012 in der zweiten Runde der Exzellenzinitiative punkten will. Dies ist zweifellos ein Fortschritt gegenüber dem Vorgehen zur ersten Exzellenzinitiative: da übernahm diese Präsentation im Frühjahr 2008 – also ein gutes halbes Jahr nach der Entscheidung und ca. 2 Jahre nach Einreichen des Konzepts – die damalige Vizepräsidentin Ursula Lehmkuhl. Auch wenn das detaillierte Konzept aus Furcht vor Industrie…äh, Universitätsspionage wieder erst nach der Entscheidung veröffentlicht werden soll, geben die Eckpunkte doch zumindest einen Einblick in das, was auf die FU nach dem Willen ihrer Exzellenz-Beauftragten so zukommen soll.

„Internationale Netzwerkuniversität“ am „Forschungscampus Dahlem“

Das bereits bestehende Konzept der „Internationalen Netzwerkuniversität“ soll zunächst einmal beibehalten werden, wird aber um eine weitere Komponente ergänzt: dem Ausbau des „Wissenschaftsstandorts Dahlem“ zum „Forschungscampus“. Dazu soll die Kooperation mit den Max-Planck-Instituten (MPIs) und anderen außeruniversitären wissenschaftlichen Einrichtungen, etwa den Zentren der Helmholtz-Gesellschaft oder dem Wissenschaftszentrum Berlin, intensiviert werden. Die entsprechenden Verhandlungen laufen bereits, nach Aussagen Alts mit guten Erfolgsaussichten. Die strategischen Zentren aus der ersten Runde des Exzellenzwettbewerbs werden umgestaltet und umbenannt – aus dem „Center for Cluster Development“ wird bspw. das „Center for Research Strategies“. Über diese Zentren soll dann sowohl regional als auch international – in bester FU-Neusprech-Tradition: „regional globality“ – Spitzenforschung organisiert werden.

Förderung der Lehre – über Umwege

Eine weitere tragende Säule des Konzepts ist die Nachwuchsförderung (nein, ihr hoffnungsfroh blickenden BA-Studis, damit seid nicht ihr gemeint): die FU will „exzellenten“ wissenschaftlichen Nachwuchs, also Graduierende und Graduierte, anlocken und vor allem auch halten. Dazu hat sich unsere Universitätsleitung ein „Karrierewege-Modell“ überlegt, das von der Promotion in den Graduiertenschulen über die Postdoc-Phase bis hin zu einer möglichen ersten (befristeten) Professur dem Nachwuchs unter die Arme greifen soll. Dafür wird es verschiedene Stipendien – inklusive eines „Time-out grants“, der eine Rückzugs- und Reflektionszeit ermöglichen soll – geben, aber auch eine Anschubförderung für eigene wissenschaftliche Projekte, wenn mensch etwa bei keinem bereits bestehenden Projekt unterkommt. Der Höhepunkt des Karrierewegs, zumindest im Rahmen des Exzellenzkonzepts, soll eine von 12 noch zu schaffenden W2-Professuren sein, die aus einem zentralen Pool auf fünf Jahre vergeben werden.
Da eine direkte Förderung der Lehre im Rahmen des Exzellenzwettbewerbs nicht möglich ist, wird nach dem Zukunftskonzept eine recht ausführliche Lehr- und Leitungsqualifikation für Doktorand_innen in Zukunft zum „Markenkern“ der FU gehören.

Nach der immerhin einstündigen Präsentation von Alt blieb die Gelegenheit, Fragen zu stellen und Anmerkungen zu äußern. Von dieser Möglichkeit wurde auch rege Gebrauch gemacht: so merkte etwa Thomas Risse an, dass ein „Forschungscampus Dahlem“ nur begrenzte Attraktivität für Sozialwissenschaftler_innen besitze, da die meisten der dort ansäßigen Institute naturwissenschaftliche Forschung betrieben. Alt versprach, dass sich das Konzept nicht nur auf Dahlem beschränken werde, sondern den gesamten Berliner Südwesten, inklusive Potsdam, umfassen solle. Wir werden sehen, ob sich der schon während der ersten Exzellenzinitiative häufig geäußerte Kritikpunkt der Bevorzugung natur- und ingenieurwissenschaftlicher Fächer auch in der zweiten Runde fortsetzt. Nach derzeitigem Stand überzeugend wirkte hingegen die Zusicherung des Präsidenten, alle Fachbereiche und Stellen erhalten zu wollen, und keine zusätzlichen Professuren über die Exzellenziniative einzustellen, für die dann Mittel gespart werden müssten. Problematisch könnte für die grundständige Lehre jedoch werden, dass die angedachten Mentoring-Programme für Graduierte auf das Lehrdeputat der Betreuer_innen angerechnet werden. In anderen Worten: wer zwei Semesterwochenstunden lang 5 Doktorand_innen betreut, erfüllt das Lehr-Soll genauso wie ein_e Professor_in, die eine normale Vorlesung für 300 Erstsemester gibt. Das bedeutet, je nach konkreter Ausgestaltung, eine weitere Herabsetzung der ohnehin häufig geringgeschätzten und an Lehrbeauftragte abgegebenen Lehre im Bereich der Grundausbildung. Auch die Zukunft des „Berufsstands“ des/der Wissenschaftlichen Mitarbeiter_in ist nach dem derzeitigen Konzept unsicher, an eine Vereinbarkeit von Graduiertenstipendien und Familienplanung wurde anscheinend bis zur gestrigen Sitzung und einer entsprechenden Nachfrage von Cilja Harders noch gar nicht gedacht.

Auch wenn mensch von der – während der ersten Runde des Exzellenzwettbewerbs bereits überaus häufig geäußerten – grundsätzlichen Kritik an Exzellenzwettbewerb und einer Unterteilung der Hochschullandschaft in „Elite“ und „den Rest“ absieht, weist das derzeitige Konzept also durchaus Schwächen auf. Jedenfalls in der Form, in der es bisher präsentiert wurde.

BRD-Professur – Präsidiumseinmischung und kein Ende

Solange Alt noch da war, konnten ihn die FBR-Vertreter_innen auch gleich noch ein wenig zu seiner Einmischung in die Ausschreibung für eine Professur „Politisches System der BRD“ am OSI befragen. Hintergrund: schon vor Monaten beschloss der FBR, eine Professur der Gehaltsstufe „W2/W3″ auszuschreiben. Damit sollte es der Berufungskommission überlassen bleiben, ob sie eine_n Kandidat_in auf W2 (weniger Gehalt, weniger Ausstattung, ressourcenschonender für den Fachbereichshaushalt) oder auf eine W3-(mehr Gehalt usw.)Stelle beruft. Dies hätte vor allem dem OSI Spielräume gelassen, eventuell frei werdende Mittel für weitere brachliegende Bereiche zu nutzen. Jedoch sieht der Germanist Alt die Professur für „Politisches System der BRD“ als eine „Eckprofessur der Politikwissenschaft“ an, die unter seiner Ägide ausschließlich auf W3 zu berufen ist. Selbstverständlich ist die Professur wichtig, und ein_e gut qualifizierte_r Kandidat_in hätte sicherlich auch Chancen auf eine W3-Stelle, jedoch wollte sich die Mehrheit im FBR nunmal die Wahl offen halten. Hier zeigte sich Alt jedoch erstaunlich kompromisslos; erstaunlich deshalb, weil es hier wohl kaum um einen größeren Konflikt geht. Um seine Position einer unbedingt nötigen W3-Besetzung zu halten, bietet das Präsidium mittlerweile sogar die Finanzierung einer WiMi-Stelle aus zentralen Mitteln an. Allerdings nur für die ersten vier Jahre – woher danach das nötige Geld kommen soll, bleibt bisher offen. Fortsetzung des Streits: bei nächsten FBR-Sitzung, dann vermutlich ohne Präsidenten.