Das OSI vor der Systemakkreditierung

Die nächste Woche, genauer gesagt Montag und Dienstag, verspricht für das OSI spannend zu werden. Der Grund: der Fachbereich PolSoz im Allgemeinen und das OSI im Besonderen dürfen mal wieder Versuchskaninchen spielen, diesmal für den Prozess der „Systemakkreditierung“. Eine Gruppe Gutachter_innen wird an diesen beiden Tagen das OSI begehen, Gespräche mit den verschiedenen Statusgruppen führen, Präsentationen über die verschiedenen Studiengänge lauschen und abschließend einen Bericht verfassen.

Worum geht es bei dem Verfahren?

Da Studiengänge von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich sind, stellen so genannte „Akkreditierungsagenturen“ sicher, dass die einzelnen Studiengänge bestimmte Kriterien erfüllen, und damit – wenigstens ungefähr – vergleichbar sind. Dass also beispielsweise ein Diplom-Politologe im Laufe seines Studiums schonmal etwas von Joseph Nye gehört hat, egal ob er in Kassel oder in Passau studiert hat. Oder dass eine BA-Absolventin der Politikwissenschaft in der Lage ist, zwischen qualitativen und quantitativen Methoden zu unterscheiden. Auch andere Kriterien spielen für die Akkreditierung eine Rolle: das Lehrpersonal muss zur Struktur des Studiengangs passen, die Arbeitsbelastung für die Studierenden darf im Mittel weder utopisch hoch noch unterfordernd gering sein, der Studiengang muss logisch aufgebaut sein und so weiter und so fort.
Bisher passiert diese Akkreditierung für jeden Studiengang einzeln. Dieses, als „Programmakkreditierung“ bezeichnete Verfahren kostet die FU Unsummen, da die meist privaten Akkreditierungsagenturen sich für ihre Dienste teuer bezahlen lassen. Doch nun ist die FU auf eine Einspar- und Vereinfachungsmöglichkeit gekommen: die „Systemakkreditierung“. Dabei werden nicht mehr die Studiengänge, sondern die Fachbereiche bzw. die Universität als ganzes akkreditiert. Das hat den Vorteil, dass die Agentur nur noch einmal feststellen muss, dass die FU und ihre Fachbereiche grundsätzlich in der Lage sind, den Kriterien entsprechende Studiengänge einzurichten. Anschließend gilt dann jeder Studiengang der FU, auch neue und/oder reformierte Programme, als akkreditiert.
Dieser Prozess läuft nun am OSI in einem Pilotprojekt an.

Was bedeutet das für uns?

Welche Auswirkungen ein „Durchfallen“ des OSI – von dem offiziell natürlich niemand ausgeht – hätte, ist völlig unklar. Vermutlich ausser einem äußerst konsternierten Präsidium keine; im Zweifel würde das Verfahren wohl wiederholt werden. Insgesamt ist eine Ablehnung der Akkreditierungswürdigkeit des OSI ohnehin extrem unwahrscheinlich. Dennoch sind die Verantwortlichen, vor allen Dingen die Professor_innen, sichtlich nervös. In allen Gremien und Kommissionen liegen schon seit Wochen die Nerven blank. Die direkt am Verfahren Beteiligten machen ein wenig den Eindruck, als stünde ihnen ein entscheidendes Bewerbungsgespräch bevor. Dabei ist es unwahrscheinlich, dass die externen Gutachter_innen innerhalb von nur zwei Tagen das von komplexen Konfliktlinien durchzogene Geflecht am OSI durchschauen werden. Für uns Studierende besteht durchaus die Möglichkeit, die eine oder andere Verbesserung herauszuholen – es macht vielleicht mehr Eindruck auf die „wichtigen Menschen“ am OSI, wenn eine Akkreditierungsagentur die Besetzung der Ideengeschichts-Professur anmahnt, als wenn wir das tun.

Wir werden uns in jedem Fall an den Gutachter_innen-Gesprächen beteiligen und auch über die Ergebnisse informieren.