4+1 = 3+2? RechenkünstlerInnen am Werk

Gestern fand ein vor allem von Seiten der Studierenden gut besuchtes Vorabgespräch zur Entwicklung eines achtsemestrigen Bachelor-Studiengangs am OSI statt. Inhaltlich kam leider wenig neues dabei heraus, die bereits nach dem Gespräch mit dem Präsidium vor knapp einem Monat (Link zum Artikel) offen gebliebenen Fragen konnten auch gestern nicht geklärt werden. Die Lage wurde eher noch verwirrender, weil im Laufe der Diskussion gestern noch weitere Optionen in’s Gespräch kamen.

Aber der Reihe nach. Cilja Harders, die die Moderation übernahm, schilderte noch einmal kurz die Hintergrundgeschichte und erläuterte ihre Sicht auf die Dinge: Das Diplom am OSI ist voraussichtlich schon bald Geschichte, da aber – maßgeblich durch studentische Initiative – der Institutsrat OSI und der Fachbereichsrat ihren Wunsch nach einem Festhalten am Diplom geäußert hatten, bot Dieter Lenzen himself im Akademischen Senat dem OSI die Möglichkeit an, einen achtsemestrigen BA einzurichten. Dieser bietet nach Harders‘ Meinung die Möglichkeit, Teile der Struktur und der Inhalte des Diploms zu erhalten; ausserdem spekuliert Lenzen vermutlich darauf, dass der sechssemestrige BA in seiner jetztigen Form bundesweit keine Zukunft hat und dass die FU dann wieder einmal an der Spitze des „Fortschritts“ steht. Harders sprach sich ausserdem dafür aus, den achtsemestrigen BA offensiv zu vertreten und als Alleinstellungsmerkmal des OSI zu „bewerben“.
In der Diskussion sollte zuerst grundsätzlich die Frage geklärt werden, ob wir diesen neuen BA überhaupt wollen, da damit ein nur noch einjähriges Masterprogramm verbunden wäre, oder ob eine grundlegende Überarbeitung des bestehenden BA mit einer Erweiterung des Masterzugangs nicht doch die bessere Lösung wäre. Kurz gefasst: 4+1 gegen 3+2 (jeweils in Jahren gerechnet).

Bei der anschließenden Diskussion zeigte sich grob ein Frontverlauf zwischen der geschäftsführenden Direktorin des OSI, Dagmar Vinz, ihrem Vorgänger Peter Massing und der ehemaligen Studiendekanin Sabine von Oppeln auf der einen und den Studierenden, Cilja Harders und Gisela Rossa-Dubray (Leiterin des Studien- und Prüfungsbüros am OSI) auf der anderen Seite ab. Erstere sprachen sich aus verschiedenen Gründen für eine 3+2-Lösung aus: es sei beispielsweise unklar, ob Studierende tatsächlich ein Jahr mehr studieren, nur um dann mit einem BA abzuschließen, was sie auch nach drei Jahren schon könnten. Auch den zweijährigen Masterprogrammen drohe eine Zukunft ohne OSI-Studierende, da diese womöglich nicht ein Jahr ohne BAFöG (Höchstbezugdauer in der Regel fünf Jahre, also 4+1, nicht 4+2) auskommen wollten. Die bestehenden Probleme im BA – etwa die schlechte Vereinbarkeit von Auslandsaufenthalten – ließen sich auch über eine erneute Reform des Studiengangs lösen, Peter Massing wies auch darauf hin, dass für die Lehramtsstudiengänge ohnehin nur ein dreijähriger BA in Frage käme.

Von Seiten der BefürworterInnen kam zum einen der Wunsch nach Klarheit in Sachen Studienordnungen, d.h. wenn es eine Reform geben wird, sollte nur ein Modell Gültigkeit erhalten. Knapp 20 Studienordnungen an einem Institut sind genug! Das bevorzugte Modell wäre dabei der vierjährige BA, am Besten mit einer ebenfalls angedachten Reform der Modul- und LP-Struktur. Die Argumente waren und sind bekannt: mehr Zeit, sich zurechtzufinden, ins Ausland zu gehen, sich in einzelne Themen zu vertiefen, etc. Sehr gut fanden wir – wie schon beim Gespräch mit dem Präsidium – dass es nach derzeitigem Planungsstand ein Projektkurs-Modul geben soll. Die erfreulicherweise zahlreich erschienenen BA-Studis aus dem zweiten bis fünften Semester schilderten eindringlich, vor welche Probleme die derzeitige Studienordnung sie stellt. An der grundlegenden Struktur von 30 zu absolvierenden Leistungspunkten (LP) pro Semester wird sich leider wenig ändern lassen, aber von Seiten aller Verantwortlichen kam die Zusage, dass sich an der Bemessungsgrundlage für die LPs – sprich, für wieviel Arbeit es einen LP gibt – noch „drehen“ ließe. Daphne Stelter (Prüfungsbüro OSI) lieferte auch eine interessante Erklärung für die gefühlt weit höhere Arbeitsbelastung der BA-Studis: ihrer Meinung nach liegt das an den „inflationär gestiegenen Kontrollen der Teilnahmeleistungen“ durch mid-term Klausuren, Anwesenheitslisten und was sich DozentInnen sonst noch so an Repressionsinstrumenten einfallen lassen. Auch in dieser Hinsicht signalisierten Cilja Harders und Gisela Rossa-Dubray ein erneutes Einwirken auf die DozentInnen am OSI.
Da beim Streik auch die Möglichkeit für einen Kombi-Bachelor Politikwissenschaft erörtert wurde, kam auch diese Möglichkeit auf den Tisch, so dass am Ende eine ganze Reihe von Vorschlägen diskutiert wurden:

1. Monostudiengang Politikwissenschaft: 3 Jahre BA + 2 Jahre MA (180LP + 120LP) – dies entspricht der derzeitigen Struktur, wobei gestern zahlreiche Stimmen für eine weitere Öffnung des Masters zu hören waren.
oder: 4 Jahre BA + 1 Jahr MA (240LP + 60LP) – die vom Präsidium vorgeschlagene Variante; hier steht es den Studierenden frei, auch einen zweijährigen Master zu besuchen – allerdings ein Jahr ohne BAFöG.

2. Kombistudiengang Politikwissenschaft: 3 Jahre BA + 2 Jahre MA (90LP PolWiss + 90LP anderes Fach + 120LP MA) – diesen Studiengang gibt es bisher nicht.
oder 4 Jahre BA + 1 Jahr MA (180LP PolWiss + 60LP Nebenfach + 60LP MA) – dieser Vorschlag wurde nur kurz von Seiten der Studierenden angedacht und nicht weiter diskutiert.

3. Lehramtsstudiengang Sozialkunde: 3 Jahre BA + 2 Jahre MA oder 3 Jahre BA + 1 Jahr MA – diese beiden Studiengänge gibt es bereits und müssten auch weiterhin angeboten werden, wenn das OSI nicht komplett auf die LehrerInnenausbildung verzichten will.

Streit um’s weitere Vorgehen

Nach der inhaltlichen Diskussion wurde darüber gesprochen, wie wir weitermachen sollen. Alle Beteiligten waren sich recht schnell einig, dass ein schneller, positiv ausfallender Beschluss des Institutsrats nicht realistisch ist. Fr. von Oppeln plädierte dafür, das Thema zunächst auf einer DozentInnen-Versammlung zu erörtern, und zog sich damit den Unmut der Studierenden zu – wir wollen schließlich weiterhin beteiligt bleiben. Einen Institutstag zu veranstalten ist dieses Semester wohl nicht mehr möglich, bei einer VollVersammlung aller Angehörigen des Instituts steht zu befürchten, dass sich die Diskussion völlig verfranst. Eine Idee von Seiten der FSI OSI war, zunächst über die ZEDAT an alle Institutsangehörigen einen Brief mit den grundlegenden Fakten und Hintergründen zu verschicken und anschließend auf einer VollVersammlung die verschiedenen Varianten zur Abstimmung zu stellen.
Loben möchten wir an dieser Stelle ausdrücklich die konstruktive Atmosphäre des Treffens und auch die ausdrückliche Ansage von Cilja Harders, dass die Ausarbeitung dieser neuen Studienordnung weiterhin öffentlich und mit starker Einbeziehung der Studierenden vonstatten gehen soll.

Auch das nächste Treffen ist dementsprechend wieder öffentlich, wenn auch zu einer unangenehmeren Uhrzeit: und zwar nächsten Freitag, 10.7., um 10 Uhr. Der Ort wird bekanntgegeben, auch hier auf dem Blog. UPDATE: Das nächste Treffen für den vierjährigen BA ist an besagtem Freitag im Seminarraum E1 der Ihnestraße 22.