Bericht vom Aktionstag „Otto von unten“

Vor ca. 2 Wochen gab es im besetzten Institut für Sozialwissenschaften (ISW) der HU ein Vernetzungstreffen von Studierenden der FU. Als Anknüpfung und Solidarität an die Besetzung im ISW und aus der allgemeinen Unzufriedenheit mit der Situation an der FU entstand die Idee einen Aktionstag an der FU zu veranstalten. Ein lose Gruppe von Studierenden der FU („FU von unten“) organisierten daraufhin den Aktionstag „Otto von unten“, der einen Raum bieten sollte für die Ansichten, Wünsche und Probleme von Studieren um so einen Austausch zu ermöglichen.
Am Dienstag den 07.02.17 kamen ab 10 Uhr über den Tag verteilt ca. 250 Studierende in die Ihnestr. 21, um zu diskutieren und sich auszutauschen.
Es fanden unter anderem Vorträge und Diskussionen zu folgenden Themen statt: Prekarisierung des akademischen Mittelbaus, autokratische Hochschulstruktur und mangelhafte studentische Mitbestimmung, Besetzung des ISW an der HU, institutioneller Rassismus in der Wissenschaft, Tarifkämpfe von (studentischen) Beschäftigten, Begriff und Sinn von „kritischer“ Wissenschaft.

In der Abschlussdiskussion waren sich alle einig, dass es nötig ist, sich weiter mit den Problemen an der FU zu befassen und konkrete Aktion folgen zu lassen. Dafür werden sich in den Semesterferien Interessierte treffen und neue Aktionen und offene Treffen zur Vernetzung für das kommende Semester planen.
Bis zu den Semesterferien wurde ganz konkret beschlossen, zum gemeinsamen Warnstreik der Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes der Länder zu mobiliseren. Dieser findet am kommenden Dienstag, den 14. Februar, statt und wird auch von der studentischen Tarifinitiative TVStud unterstützt.
Am kommenden Mittwoch, den 15.2., wird um 9.30 Uhr zur Sitzung des Institutsrats des OSI aufgerufen, um dort die Studierendeninteressen in Bezug auf die Lehrplanung am Institut zu vertreten. Die Lehrplanung wurde beim letzten Institutsrat wegen mangelnder Finanzierung abgelehnt.

Es ist sehr zu begrüßen, dass sich so kurzfristig Menschen zusammengefunden haben um so einen Tag zu organisieren. Angesichts der spontanen Organisation & Mobilisierung ist es außerdem ein Erfolg, dass so viele Menschen kamen um sich mit FU-weiten Problemen auseinanderzusetzen. Es hat sich gezeigt, dass es ein großes Interesse gibt an Austausch und Vernetzung mit anderen Studierenden, bezüglich der verschiedensten Problem an der FU. Offensichtlich herrscht hier eine große Leerstelle, die von Studierenden selbst gefüllt werden sollte. Selbstorganisierung ist der erste Schritt um etwas an den Verhältnissen zu ändern.

Wir als FSI*OSI werden diesen Prozess weiter begleiten und euch auf dem Laufenden halten über aktuelle Entwicklungen, für konkrete Infos schaut auf die facebook-Seite von (FU von unten).

Hier nochmal alle Links:

Warnstreik der Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes der Länder

studentischen Tarifinitiative TVStud

„FU von unten“

„Otto von unten“

eure FSI*OSI

Stellungnahme zur Debatte über Antisemitismusvorwürfe gegen die Lehrbeauftragte Eleonora Roldán Mendívil

Stellungnahme zur Debatte über Antisemitismusvorwürfe gegen die Lehrbeauftragte Eleonora Roldán Mendívil:

Wir verurteilen den Versuch, die vorgebrachte Kritik der Gruppe „Gegen jeden Antisemitismus FU Berlin“ [1] an den inhaltlichen Aussagen der Lehrbeauftragten Eleonora Roldán Mendívil als Teil einer „pro-zionistische[n] Hetze“ [2], wahlweise „rechter, pro-kolonialer und großkapitalistischer Allianzen“ [3] umzudeuten. Eine solche Umdeutung, die vor allem dazu dient, der Gruppe den Status einer legitimen Gesprächspartnerin zu entziehen, trägt nicht zu der geforderten „offenen Diskussion“ [4] über Inhalte bei.

Wir sprechen für uns selbst. Weder wir noch andere Gruppen sollten den Anspruch erheben, für die gesamte Studierendenschaft zu sprechen. Wir wehren uns dagegen, von anderen Gruppen vereinnahmt oder ohne Absprache verlinkt zu werden.

Die Behauptung Roldán Mendívil sei „suspendiert“ [5] worden, ist sachlich falsch. Sie wird in diesem Semester weiter im Rahmen ihres Seminars „Rassismus im Kapitalismus“ lehren. Auch die teilweise geäußerte Annahme, sie habe bereits die Zusage für eine Lehrtätigkeit im kommenden Semester gehabt, ist nicht zutreffend. Die Lehrplanung für das kommende Semester wurde bisher noch nicht vom Institutsrat beschlossen.

Generell gibt es kein Recht auf einen Lehrauftrag. Lehraufträge, wie im vorliegenden Fall, sind einmalige Verträge, beschränkt auf ein Semester und ein Seminar (also ohne festes Anstellungsverhältnis, weswegen wir diese in ihrer derzeitigen Form grundsätzlich als Teil prekärer Beschäftigung kritisieren). Das OSI entscheidet im Institutsrat allgemein über das Lehrangebot für das jeweils folgende Semester und damit auch über alle Lehraufträge. Roldán Mendívil wird vom Lehrplanungsprozess, in den Lehraufträge eingereicht werden können, ausgenommen, bis das Institut die Prüfung der vorgebrachten Vorwürfe abgeschlossen hat [6].

Wir sprechen uns gegen jede Instrumentalisierung des Falls zur Verschärfung der allgemeinen Kriterien für die Vergabe von Lehraufträgen aus. Es sollten nicht unnötigerweise zusätzliche Hürden geschaffen werden, die eine Lehrtätigkeit am OSI erschweren.

Wir begrüßen eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den kritisierten Äußerungen Roldán Mendívils und die wissenschaftliche Prüfung des Falls durch ein externes Gutachten. Wie im Institutsrat vom 18.01. bekanntgegeben, wird dieses von Wolfgang Benz, dem ehemaligen Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, angefertigt werden. Wir begrüßen den Vorschlag aus dem akademischen Mittelbau des OSI, eine zweite Person zur Prüfung hinzuzuziehen.

Die FSI*OSI spricht sich gegen jeden Versuch aus, das Existenzrecht Israels in Frage zu stellen. Aufrufe zur Intifada halten wir für nicht tolerierbar [7].

Auch Versuche, Antisemitismus mit Rassismus gleichzusetzen und als bloße Spielart von Letzterem zu begreifen, zeugen von einem unterkomplexen Theorieverständnis, das dem wissenschaftlichen Forschungsstand nicht gerecht wird.

FSI*OSI

[1]
https://www.facebook.com/notes/gegen-jeden-antisemitismus-fu-berlin/schreiben-an-das-pr%C3%A4sidium-der-fu/610365752482738,
und https://www.facebook.com/gegenjedenasfuberlin/posts/613033108882669

[2]
https://www.klassegegenklasse.org/pro-zionistische-hetze-gegen-marxistische-dozentin/

[3]
http://lowerclassmag.com/2017/01/rechter-angriff-auf-kritische-wissenschaftlerin-an-der-fu-berlin/

[4]
https://www.change.org/p/hochschulinitiative-f%C3%BCr-kritische-lehre-f%C3%BCr-eine-offene-diskussion-keine-vorverurteilung-der-lehrbeauftragten-e-rold%C3%A1n-mend%C3%ADvil

[5]
http://lowerclassmag.com/2017/01/rechter-angriff-auf-kritische-wissenschaftlerin-an-der-fu-berlin/
und http://taz.de/Kommentar-Antisemitismus-Vorwuerfe/!5371977/

[6]
http://www.polsoz.fu-berlin.de/polwiss/_elemente_startseite/4spalten_links/Material/Stellungnahme-zum-Vorwurf-Antisemitismus_09_01_17.pdf

[7]
https://www.facebook.com/friedensdemowatch/videos/1229481440439443/ (am Anfang des Videos)

Gestaltet eure Lehre mit! 25.01.17

Tresen: 23.01.17, Vortrag über Black Lives Matter

Facebook-Event

Einige Anmerkungen zum taz-Artikel bezüglich decolonize FU

Die taz hatte am 10. 12. 2016 einen Artikel über die Petition „Decolonise the FU“ geschrieben. Den Artikel findet ihr hier. Anschließend an unseren Bericht zu der Institutsratsitzung, in der die Petition besprochen wurde, haben wir ein paar Anmerkungen zu dem Artikel.

Obwohl der Artikel wichtig und begrüßenswert ist, möchten wir doch ein paar Dinge kritisch anmerken und richtigstellen. Der Teaser ist irreleitend. Es geht nicht um Wissenschaftler*innen aus afrikanischen Ländern, sondern vielmehr um ein strukturelles Versäumnis postkoloniale Wirkmächtigen ernst zu nehmen. „Es komme auf die wissenschaftliche Perspektive und nicht auf die Hautfarbe an“, sagt nicht die FU, sondern Bernd Ladwig, der bezüglich des Artikels interviewt wurde.
Der Aspekt mit dem fehlenden Geld auf den Bettina Engels verweist, haben wir in unserem Bericht zur IR-Sitzung bereits entkräftet.
Ein weiterer Aspekt auf den wir hinweisen möchten ist, dass die ABK nur eine Art Kontroll- bzw. Beratungsgremium darstellt und weder der Vorsitz noch andere Mitglieder der ABK Lehrveranstaltungsvorschläge „prüfen“. Eine derartige „Prüf-Institution“ gibt es nicht.

eure

FSI*OSI

* Bericht aus dem Institutsrat am 07.12.16 *

Bericht zur Institutsratssitzung vom 07.12.2016

Zwei studentische Initiativen – und Profs bleiben fern
In der letzten IR-Sitzung standen mit der Petition von Decolonize FU und unserem offenen Brief zur Überbuchung am Fachbereich ausschließlich studentische Initiativen auf der Tagesordnung. Dies stieß auf reges Interesse bei Studierenden, so dass sich insgesamt etwa 35 Unterstützer*innen bei der IR-Sitzung eingefunden hatten. Umso mehr bedauern wir, dass sich von den 7 Profs, die normalerweise im Institutsrat sitzen, lediglich Bernd Ladwig (Sitzungsleitung) und Tanja Börzel eingefunden hatten (später kamen noch Ingo Peters vom Dekanat sowie Vertreter*innen des Fachbereichs hinzu). Eine Heterogenität der Meinungen im Professorium wurde so nicht abgebildet und verstärkt unseren Eindruck, dass studentische Initiativen von Seiten der Professor*innen nicht ausreichend ernst genommen werden. In der Sitzung war der IR formal auch nicht einmal beschlussfähig. Auch Bettina Engels, die als Verantwortliche der Ringvorlesung „Klimawandel in Afrika“ explizit von Decolonize FU angesprochen wurde, war nicht anwesend.

Bezüglich der Petition von Decolonize FU gab es schriftliche Stellungnahmen von Bettina Engels und Bernd Ladwig. Zudem wurde eine Stellungnahme von Christian Walther (Vorstand OSI Club) verlesen, die jedoch nicht im Voraus verschickt wurden, was auch bis heute trotz der Versicherung Ladwigs nicht nachgeholt wurde. Wir kritisieren, dass die Menschen von Decolonize FU keine direkte Antwort auf ihre Petition erhalten haben und die Infos nur durch Weiterleitung von uns bekamen. Es bleibt daher fraglich, ob das Institut sich überhaupt positioniert hätte, wenn wir den Punkt nicht auf die Tagesordnung des IR gebracht hätten. Zudem lag eine Anfrage der taz vor, was vermuten lässt, dass sich auch nur deshalb um eine Stellungnahme bemüht wurde.

Schlechte Diskussionskultur
Auch die Diskussionskultur innerhalb der Sitzung ließ zu wünschen übrig. Die anwesenden Vertreter*innen von Decolonize FU wurden mehrmals durch Zwischenrufe und Einwürfe aus den Gruppen der sonstigen Mitarbeiter*innen und Profs unterbrochen. Auch der Wunsch nach einer Redner*innenliste vonseiten der Studierenden wurde übergangen.

Zur Diskussion selbst: Das anfänglich vorgebrachte Argument der Profs, dass es keine Mittel für eine andere und vielfältigere Besetzung des Vorlesungspersonals der Ringvorlesung gegeben habe, wurde sehr schnell entkräftet, da auch Tanja Börzel eingeräumt hatte, dass Gelder aus dem Topf für Außenamtsmittel hätten beantragt werden können. Geld sei demnach auch nicht das Problem, sondern vielmehr ein strukturelles Versäumnis basierend auf einem „fehlenden Bewusstsein“. Die inhaltliche Diskussion fokussierte sich einerseits auf die inhaltliche Stellungnahme von Vertreter*innen von Decolonize FU versus Ladwigs Position „gegen die Kolonisierung der Wissenschaft durch Identitätspolitik“ sowie andererseits eine Art Konsens in Bezug auf das Bekenntnis zu Diversität in der Wissenschaft. Allerdings ohne konkrete Maßnahmen oder die bisherige Berufungspraxis am OSI zu diskutieren, was wir sehr bedauern.

Wie geht es weiter?
Zur Erarbeitung eines Antwortschreibens auf die Petition von Decolonize FU werden sich im Januar Vertreter*innen der vier Statusgruppen treffen.

Diskussion zur Überbuchung zu kurz
Die Diskussion zur Überbuchung wurde auf die letzten fünf Minuten zusammengestutzt. Dies zeichnete sich bereits dadurch ab, dass sich das GD-Team weigerte den formgerechten Antrag zur Beratung unseres offenen Briefs von vorneherein auf die Tagesordnung zu setzen. Auf den Brief selbst wurde in keiner Weise eingegangen. Deshalb bringen wir den Punkt bei der Sitzung am 18. Januar erneut auf den Tisch, zumal mit der Besprechung der Lehrplanung die Überbuchungssituation zwangsläufig thematisiert werden muss.

Vertreter*innen des Dekanats und des Fachbereichs hatten im Anschluss an die Sitzung zu einem außerplanmäßigen Treffen zwischen Studierenden, Lehrenden und Vertreter*innen des Fachbereichs zur Überbuchungssituation am OSI und zur Vorstellung der Studierendenumfrage aufgerufen.

Diskutiert am 18. Januar!
In der Sitzung hat sich gezeigt, dass die Anwesenheit der Studierenden wichtig war, um Gehör zu finden. Deshalb kommt am 18. Januar zahlreich, damit wir gemeinsam mit den Verteter*innen des IR die Überbuchungssituation am Fachbereich und vor allem unseren offenen Brief diskutieren können! Außerdem wird am 25. Januar wieder die Studierendenbefragung zu Lehrveranstaltungswünschen stattfinden – kommt auch hier zahlreich und äußert eure Wünsche!

Institutsratsitzung
Themen: Lehrplanung, Überbuchung
18.01.17, 9:00 Uhr
Ihnestr. 21/Hörsaal B

Studierendenbefragung zu Lehrverstaltungswünschen
25.01.17 18:00
Ihnestr. 21/Hörsaal A

taz-Artikel zu „Decolonise the FU“
Die taz hatte am 10. 12. 2016 einen Artikel über die Petition „Decolonise the FU“ geschrieben. Wir haben ein paar kritische Anmerkungen zu dem Artikel.

eure

FSI*OSI

Wahlen an der FU 2017 (Stupa, AS, FBR, IRat)

Jetzt sind Wahlen an der FU. Wir wollen euch darüber informieren, welche Gremien alle gewählt werden, wo und wie ihr das tun könnt und wieso ihr uns wählen solltet.

Wieso die FSI*OSI wählen?

Die FSI*OSI tritt bei allen Wahlen an und hat jedesmal die Listennummer 1.

Wir, die Fachschaftsinitiative des Otto-​Suhr-​Instituts sind für eine gesellschafts- und herrschaftskritische Uni, an der Rassismus, Antisemitismus und Sexismus keinen Platz haben. Wir setzen uns außerdem gegen jegliche Art von Elite, Exzellenz und Studiengebühren ein. Da die derzeitigen Mehrheitsverhältnisse es uns leider nicht ermöglichen, die Uni maßgeblich mitzugestalten, greifen wir auch auf konfrontative Mittel zurück, um unseren Positionen Nachdruck zu verleihen und auf Missstände am Institut aufmerksam zu machen. Dazu zählen zum Beispiel Besetzungen oder Aktions-​ und Protestwochen. Auch wenn wir die Arbeit in den Gremien für wichtig erachten um studentische Interessen kritisch zu vertreten, wissen wir um die Grenzen der studentischen Beteiligung in diesen und begnügen uns in unser politischen Arbeit nicht damit.

Erfolge:
Trotz der Einschränkungen, haben wir es in den letzen Jahren geschafft die studentischen Tutorien am OSI zu erhalten und eine Bezahlung dafür erkämpft.
Außerdem war die FSI maßgeblich an der Einrichtung der Profesur „Gender und Vielfalt“ beteiligt.
Darüber hinaus haben wir es geschafft ,durch unsere Mitarbeit in der Ausbildungskommission und im Institutsrat, das studentische Wünsche in der Lehrplanung wahrgenommen wurden. Unserer Meinung noch zu wenig, aber wir kämpfen weiter.

Für eine genauere Darstellung unser politischen Haltung sei auf unser Selbstverständnis verwiesen.

Was wird gewählt?

Dieses Jahr findet nicht nur die alljährliche Wahl zum Studierendenparlament (Stupa) statt, es werden darüber hinaus auch die verschiedenen Gremien der akademischen Selbstverwaltung gewählt.
Die Gremien der akademischen Selbstverwaltung sind der Institutsrat (Irat), Fachbereichsrat (FBR), Akademischer Senat (AS). Die studentische Selbstverwaltung findet ihre Form in den Fachschaftsinitiativen (FSI), dem Studierendenparlament (Stupa) und dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA)

Der Artikel der FSI WiWiss zu den verschiedenen Gremien gibt einen guten Überblick in Textform.
„HoPo – 1 Hoch auf Hochschulpolitik“ von der FSI WiWiss
Ergänzend dazu ist die schematische Übersicht mit dem kurzen Einführungstext zu Hochschulpolitik aus der Unitopia #2 (Oktober 2013) sehr gut.
Gremienübersicht aus der Unitopia

Bei dem Text der FSI WiWiss fehlt ein wichtiger Punkt bei der Erklärung der akademischen Selbstverwaltung. Alle diese Gremien (AS, FBR, IRat) sind undemokratisch besetzt, da vom Berliner Hochschulgesetz eine Mehrheit der Professor*innen vorgeschrieben wird. In der Praxis sitzen dann beispielsweise im Institutsrat 7 Profs, 2 Studis, 2 Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen (WiMi’s) und 2 sonstige Mitarbeiter*innen (SoMi’s). Das heißt wenn die Profs sich einig sind werden die Stimmen der Studis, WiMi’s und SoMi’s unsichtbar gemacht, obwohl diese drei Statusgruppen einen sehr großen und wichtigen Teil der Universität ausmachen. Gut veranschaulicht in der Darstellung der Unitopia, wo provokativ gefragt wird, ob Hochschulpolitik an der FU Demokratie oder ein Ständesystem ist.

Wann und wo wählen?

Wahlen zum Studierendenparlament sind vom 10.-12.01.17, Öffnungszeiten der Wahllokale: 9.45 – 16.15 Uhr

Alle Wahllokale für die Stupa-Wahl findet ihr hier.
„Mitzubringen sind der gültige Personalausweis, Reisepass oder Führerschein sowie eine aktuelle kleine oder große Immatrikulationsbescheinigung oder der aktuelle Studierendenausweis.“

Wahlen zum akademischen Senat sind am 10.-11.01.17, Öffnungszeiten der Wahllokale: unterschiedlich, meist von 10.00 – 15.00 Uhr

Alle Wahllokale für die Wahl zum akademischen Senat findet ihr hier.
„Mitzubringen sind der gültige Personalausweis, Reisepass oder Führerschein sowie eine aktuelle kleine oder große Immatrikulationsbescheinigung oder der aktuelle Studierendenausweis.“

Bei beiden Wahlen dürft ihr nur an euren Fachbereichen bzw. eurem Institut wählen, also dass was auf eurem Studiausweis draufsteht z.B. FB PolSoz.

Alle Leute die am Fachbereich PolSoz eingeschrieben sind müssen einfach in das Foyer der Ihnestr. 21 gehen, da sind beide Wahlstände nebeneinander.

Eure FSI*OSI

Kommt alle zur Diskussion in den Institutsrat am 07.12.16

Hier gehts zu unserem offenen Brief, den wir im Institutsrat vorlesen werden und diskutieren wollen.

Weitere Infos findest du in unserem Post zu den Hintergründen der Überbuchung an der FU & am Fachbereich PolSoz

Offener Brief der FSI*OSI zur Überbuchung am Institut

Hier als .pdf

Der studentische Alltag am OSI sieht zu Beginn des Wintersemesters so aus: Es gibt gnadenlos überfüllte Seminare; Erstsemester, die in PS/MWAs um Plätze betteln müssen; verkürzte Diskussionen, an denen sich letztlich 5 der 80 Seminarteilnehmenden beteiligen können. Das Lehrangebot ist starr und ignoriert studentische Interessen.

Der kapitalistischen Logik folgend müssen auch Universitäten zum Zweck ihrer Finanzierung Output in Form von Absolvent*innen produzieren. Da der Staat auf die Erfüllung des selbstauferlegten Kontingents an Studienplätzen pocht, werden beliebte Studiengänge seit Jahren über die Kapazitätsgrenze hinaus hoffnungslos überbucht. Darunter leidet zwangsläufig eine Lehre, die das Hinterfragen vorherrschender Machtverhältnisse ermöglichen sollte. Das muss ein Ende haben!

Die Erfahrung aus der Lehrplanung verdeutlicht: Studentische Interessen werden kaum gehört. Die Studierendenbefragung vom Sommersemester 2016 bestätigt die kritisierten Missstände: Die Diskussionskultur wird durch Referatszwang und Vorlesungscharakter zerstört, die Betreuung von Bachelorarbeiten findet teilweise nicht statt, der Raum für kritische Diskussionen geht verloren. Eine Universität ist kein Unternehmen, wir Studierende sind keine Kund*innen.

Dem stetigen Anstieg der Studierendenzahlen am OSI wird nicht begegnet, nein, Studierende sind zu bloßen Nummern in Excel-Tabellen degradiert, die möglichst schnell wieder mit einem Abschluss verschwinden sollen. Die Zahlen aus dem letzten Wintersemester belegen: Fast alle Module sind durchschnittlich mit weit mehr als 30 Studierenden pro Seminar überbelegt. Aber auch in diesem Semester sieht es nicht besser aus: Im Masterseminar „Transformationstheorien“ von Prof. Dr. Brigitte Kerchner mit 113 Anmeldungen im Campus Management wurden nun aufgrund der Größe des Seminars Referatsgruppen mit 20 Personen gebildet! Im 74 Anmeldungen zählenden Masterseminar „Aufstieg der Neuen Rechten – Krise der politischen Theorie“ muss Rainer Alisch nun in seiner Freizeit unbezahlt für wahrscheinlich die Hälfte der Seminarteilnehmenden Essays und Hausarbeiten betreuen. Im Bachelor sieht es nicht anders aus: Das Seminar „Rassismus im Kapitalismus“ von Eleonora Roldán Mendívil hat 68 Anmeldungen, ähnlich wie das Seminar „Wie geht emanzipatorisches Denken? Historischer Materialismus vs. Poststrukturalismus“ von Martin Fries mit 70 Anmeldungen.

Die FSI*OSI spricht sich klar gegen Teilnahmebeschränkungen für Seminare oder gar eine weitere Anhebung des NC aus! Dadurch würde die ohnehin immer stärker schrumpfende Freiheit im Studium weiter eingeschränkt. Stattdessen sollte die Ausrichtung der Lehre an studentischen Interessen im Zentrum der Bemühungen stehen:
Wir fordern eine höhere Anzahl der an den Interessen der Studierenden ausgerichteten Seminare. Wir fordern, dass genügend finanzielle Mittel bereitgestellt werden, um den Bedarf an Seminaren zu decken. Wir fordern daher, dass die Vergabe von Lehraufträgen in Zukunft ausschließlich auf der Liste mit Studierendenwünschen basiert und die Ausbildungskommission (ABK) mehr Gehör am OSI findet.

Wir fordern eine gerechtere Bezahlung der Lehrbeauftragten und die Abschaffung der derzeitigen prekären und unwürdigen Beschäftigung von Lehrbeauftragten. Wir fordern langfristig mehr festes Lehrpersonal. Statt der Konkurrenz um Finanzmittel fordern wir die Kooperation zwischen den Fachbereichen. Damit geht einher, dass die Finanzierung von Bildung unabhängig von Absolvent*innenzahlen erfolgen sollte, ja gar nicht an Bedingungen geknüpft sein darf. Wir fordern daher auch eine zunehmende Unabhängigkeit von Drittmitteln. Erst wenn diesen Forderungen nachgegangen wird, ist überhaupt eine sinnvolle Kooperation von Fachbereichen möglich.

Wir fordern eine demokratische, gesellschafts- und herrschaftskritische Universität.
Für eine kritische Lehre am OSI!

30.11.16, Fachschaftsinitiative des Otto-Suhr-Instituts (FSI*OSI)

Alle, die mit uns gegen diese Missstände vorgehen wollen, können mit uns zur nächsten Sitzung des Institutsrats am 07.12.2016 um 09:30 Uhr gehen. Informiert eure Kommiliton*innen, kommt vorbei, diskutiert mit, macht eure Interessen deutlich!

Weitere Infos findest du in unserem Post zu den Hintergründen der Überbuchung an der FU & am Fachbereich PolSoz

Hintergründe der Überbuchung an der FU & am Fachbereich PolSoz

Dieser Post hat zwei Teile:

1. Zahlen und Hintergründe dazu wieso es zu Überbuchung kommt bzw. welche Logik an Sachzwängen dahintersteckt. Das sind alles Informationen, die in der Veranstaltung „Überbuchung – Tod der Qualitätssicherung?!“ am 21.4.2016 von der von der Verwaltung des Fachbereichs PolSoz präsentiert wurden.

2. eine kurze Zusammenfassung der Studierendenbefragung im SoSe 2016 des Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften zum Thema Überbuchung

1. TEIL

Was ist Überbuchung?
Überbuchung ist die Überauslastung von Studiengängen über die eigentliche Kapazität hinaus. Dies geschieht laut Eigenaussage der FU-Verwaltung um kleinere Studiengänge, die nicht voll ausgebucht werden, weiter zu ermöglichen. Durch diese Praxis, bzw. durch die dieser Praxis vorgelagerten “Sachzwänge” leiden isb. attraktive Studiengänge, z.B. in den Sozial- und Geisteswissenschaften.

Am Fachbereich (FB) PolSoz ist die aktuelle Überbuchungssituation wie folgt (Stand April 2016):
BA: 140%
60LP: 170%
MA: 200%

Grundlage der Überbuchungsstrategie ist das Finanzierungsmodell der FU durch den Berliner Senat. Es basiert auf zwei Prinzipien:
Nachfrage- und Outputorientierung (Studierenden- und Absolvent*innenzahlen).

Das Finanzierungsmodell:
Hochschulverträge sind Kernelement des Finanzierungsmodells zwischen Land und allen Hochschulen in Berlin. Diese gelten für fünf Jahre, die Unterschrift verpflichtet die Hochschulen zur Einhaltung im Sinne der Planungssicherheit.
Die FU Berlin ist durch drei Säulen finanziert:

38% Sockelbetrag (Anzahl Professuren)
11.205.000 € Investive Mittel p.a. (war bereits in vorherigen Hochschulverträgen vorhanden)
Indikatorbasierte Hochschulfinanzierung (variiert) : – bis Höchstbetrag (keine Unbegrenzte Varianz)

Indikatoren Lehre: 33%
- Studis in Regelstudienzeit (Preis*Anzahl) 2700 € pro Studi p.a. (ca. 80-85 % sind momentan in der Regelstudienzeit(Stand April 2016))
- Absolvent_innen (BA,MA, Staatsexamen) 2700 € x1,5 ×1 BA/ 2700€ x1,5 ×0,5 MA
- Absolvent_innen (Lehramt) 20.000€

Indikatoren Forschung: 25%
– pro 1000€ Drittmittel 50% extra
– bei DFG und EU-Drittmittleln 60% extra
– Basisfinanzierung pro Professur 40000€
– Stipendien/AvH 50000€
– ERC Grants (EU-Forschungsprojekte, besonderer Topf), AvH (Alexander von Humboldt) Professuren 150.000€

Indikatoren Gender und Diversity: 4%
– Neuberufungen von Frauen auf W2/W3 auf Lebenszeit zw. 30-50% pro Kopf 250.000 €
– weitere Diversityindikatoren…

Hochschulpaktmittel:
Für den Zuwachs an Studierenden erhält das Land vom Bund proportional Geld, die andere Hälfte soll das Land beitragen, dieses Geld geht direkt in die gängige Hochschulfinanzierung, nicht in spezielle Aufwuchsprogramme.
Die Hochschulpaktmittel laufen 2020 aus.
Für die Universitäten sind 26.000 € pro Studiplatz in den Hochschulpaktmitteln veranschlagt (Hälfte Bund, Hälfte Land Berlin).
Verpflichtungen aus dem Hochschulpakt:
- FU: 6.319 Erstis (1. Hochschulsemester) aufnehmen
- bei Verfehlungen muss die Hochschule den Schaden zahlen

Insgesamt schafft die FU ihre Aufnahmekapazitäten nicht.

Probleme:
- zu wenig Studis allgemein
- Kohortenverbleib ist zu gering (Leute aus dem 1. sind ein Jahr später nicht notwendigerweise im 3.)
- Niedrige Absolvent*innenzahl
- zu wenig Lehramtsstudis
- strukturelle Unterauslastung vieler Studiengänge (z.B. kleiner Fächer)
- FU verliert in der Konkurrenz zur HU

Präsidiumsmaßnahmen:

- Überbuchung stark nachgefragter Studiengänge zum Mengenausgleich
- Prämienmodell:
--> 2017er Topf: 850.000 €, alle FB, die 2014 überbucht wurden, können in Konkurrenz (nach Haltequote von 5.Semestern und Absolvent*innen im Master) aus diesem Topf Geld erwerben (120.000 wird der FB bekommen, es wurden allerdings bereits 240.000 ausgegeben. Darüber hinaus wurden Personalmittel um 100.000 gekürzt)
--> 2018/2019 gibt es jeweils 2.000.000 € (Verteilungsmechanismus steht noch nicht).

Maßnahmen des FB:

- Mittelausschüttung (zur Verstärkung des Lehrpersonals, Tutorien, Lehraufträge etc.)

Herausforderungen laut FB:

- Absolvent_innenzahl (Quote liegt bei 42% im BA und 41% im MA, bereinigt von Wechslern)
- Haltequoten, massive Abwanderung aus den Kernfächern

2. TEIL

Studierendenbefragung SoSe 2016 des Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften zum Thema Überbuchung
- kurze Zusammenfassung (die komplette Auswertung gibt es hier)

Die Studierenden befanden sich überwiegend im 2. und 4. Semester, fast die Hälfte der Studierenden besuchte Veranstaltungen im Umfang von 4-6 Lehrveranstaltungen (8-12 SWS).

Auszüge aus der Auswertung:

Lehrveranstaltungen:
Die Diskussionskultur leidet und auch die Notwendigkeit für die aktive Teilnahme Referate zu halten wird durch die Größe der Referatsgruppe und die Anzahl der Referate in den offenen Textantworten als besonders negativ beschrieben.

Betreuung vor und während der Bachelor- /Masterarbeit
Betreuungen von Arbeiten werden auch durch die Professuren teilweise als Konkurrenzbewerbungen der Studierenden angesehen. Der Eindruck der Studierenden ist, dass teilweise das Thema, das am besten in das Arbeits-/Forschungsgebiet der Professuren passt, angenommen wird und alternative Themenvorschläge unberücksichtigt bleiben.

Studienalltag:
Im Studienalltag nehmen die Studierenden die Überbuchung wahr, sehr viele versuchen trotzdem an den Veranstaltungen weiter teilzunehmen, mit der Hoffnung, dass sich am Ende der Vorlesungszeit die Teilnehmer*innenanzahl reduziert. Die Studierenden sind sich aber bewusst, dass die Qualität der Lehre darunter leidet. Sie versuchen auch alternative Veranstaltungen zu besuchen, wissen aber, dass diese entweder nicht ihrem Spezialgebiet entsprechen oder die Lehrenden von den Studierenden kritisch bewertet werden.
In den Tabellen der Kategorisierung der offenen Antworten wird deutlich, dass in den Studiengängen des OSI im Bachelor-Hauptfachstudium vermehrt die Betreuung durch die Lehrenden als auch die Atmosphäre und die Diskussionskultur in den Lehrveranstaltungen als problematisch beschrieben wurden.
Die Studierenden der Masterstudiengänge nannten vermehrt die Qualität der Lehre als Problem durch die hohe Studierendenanzahl.

Antworten aus den offenen Antwortenteil (Auszüge):
- Fragestellung: Gibt es Probleme im Studienverlauf, die Sie mit der erhöhte Studierendenzahl in Verbindung bringen?

„Einige Pflichtseminare sind auf eine bestimmte Anzahl an Teilnehmern begrenzt. Das führt dazu, dass man teilweise ein Semester warten muss, bis man in das Seminar kommt.“

„Ja, zum Beispiel riesige Referats- und Projektgruppen, bei denen eine sinnvolle Arbeitsorganisation kaum möglich ist – wie soll man auch ein Referat sinnvoll unter 6 Personen aufteilen? Oder mit 6 Personen ein passendes Treffen finden, zu dem alle können? Die Seminare sind überfüllt, in Diskussionen kommt man selten zu Wort.“

„Überfüllte Hörsäle , Kein interaktiver Unterricht möglich , Sitzplätze ohne Tische in überfüllten Räumen , Probleme bei der Kurswahl, man kommt nicht in die Kurse die man belegen möchte“

„Man bekommt nicht unbedingt einen Platz in der Lehrveranstaltung, die man sich wünscht – kann also nicht interessenbezogen studieren, sondern muss oft nehmen/belegen, was noch frei ist. Einige Seminare setzen das Halten eines Referates voraus. Entsprechend gibt es meist genauso viele oder mehr Referatsgruppen, wie Seminartermine. Das Resultat sind Seminare, die ausschließlich aus Referaten unterschiedlicher Qualität bestehen.“

„Das BA-Studium ist so kurz angelegt, dass man gar nicht nachdenken kann und Entscheidungen bewusst treffen. Kaum hat man die Entscheidung für einen BA getroffen wird man schon wieder in den MA weitergeschleust. In der Regelstudienzeit gibt es keine Momente des Innehaltens um den eigenen Interessen/Stärken nachzugehen.“

„Ein anderes Problem ist die mangelnde Grundlagenausbildung. Ein Beispiel: Wie man eine Hausarbeit schreibt – DIE Grundlage im PoWi-Studium- lernt man nicht im PS/MWA, wozu das eigentlich gedacht war, sondern nur wenn man außerordentliches Glück und ein engagierter Dozent noch ein wenig Idealismus übrig hat. Also um wissenschaftliches Arbeiten zu lernen muss man Glück haben… Nicht so toll!“

Links:

Hochschulvertäge Berlin

Hochschulpakt 2020

Detailauswertung für die Evaluation Studierendenbefragung SoSe 2016 des Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften zum Thema Überbuchung

Offener Brief der FSI*OSI zur Überbuchung am Institut

Kommt alle zur Diskussion in den Institutsrat am 07.12.16